Branche
on
Ein Gynäkologe misst den Blutdruck einer schwangeren Patientin im Entbindungszentrum (Detailaufnahme des Bauches und des Arms der Patientin).

Präeklampsie ist eine gefährliche Schwangerschaftserkrankung mit Bluthochdruck, die meist nur durch eine vorzeitige Entbindung behandelt werden kann. © Rabizo / iStock / Getty Images Plus

| |

Pilotstudie: Apherese reduziert krankmachendes Protein bei Präeklampsie

Für die Behandlung von Präeklampsie, eine schwerwiegende Erkrankung in der Schwangerschaft, gibt es bislang keine kausale Therapie. In einer internationalen Pilotstudie unter wesentlicher Beteiligung der Universitätsmedizin Leipzig ist nun erstmals ein therapeutischer Ansatz erfolgreich an Patientinnen erprobt worden: Eine spezielle Form der Blutwäsche kann das krankheitsauslösende Protein entfernen. Die Ergebnisse sind im hochrangigen Journal „Nature Medicine“ veröffentlicht worden.

Präeklampsie, umgangssprachlich auch Gestose oder Schwangerschaftsvergiftung genannt, ist eine Erkrankung, die weltweit zu den häufigsten Ursachen für gesundheitliche Probleme und Todesfälle bei Müttern und ihren Babys gehört. Sie zeigt sich meist nach der 20. Schwangerschaftswoche und geht mit hohem Blutdruck sowie Eiweiß im Urin einher. Bisher besteht die einzige wirksame Behandlungsoption darin, die Schwangerschaft vorzeitig zu beenden – häufig mit der Folge von Frühgeburten und den damit verbundenen Konsequenzen.

Antikörper entfernt Krankheitsprotein

Vor rund 20 Jahren identifizierten US-amerikanische Wissenschaftler:innen das entscheidende, „giftige“ und krankheitsauslösende Protein für Präeklampsie im mütterlichen Blut: die lösliche fms-ähnliche Tyrosinkinase 1 (sFlt-1). Während dieses Protein inzwischen für die Diagnostik der Erkrankung genutzt wird, fehlt bisher aber eine Möglichkeit, gezielt therapeutisch einzugreifen.

In der aktuellen hochrangigen Pilotstudie hat nun ein internationales Team ein Verfahren entwickelt, bei dem das krankheitsverursachende Protein mithilfe eines spezifischen Antikörpers aus dem Blut der Schwangeren entfernt wird. Wesentlich beteiligt daran war Prof. Dr. Holger Stepan, Leiter der Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig und Studiendekan Hebammenkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig.

Vielversprechende Ergebnisse

Technisch erfolgt das neue Verfahren über eine spezielle Form der Blutwäsche, die sogenannte Apherese. Ein eigens entwickelter Filter kann das krankheitsauslösende und giftige Protein gezielt binden und entfernen. Nach erfolgreichen präklinischen Untersuchungen, unter anderem in Tiermodellen in Australien, wurde die Apherese nun erstmals bei schwangeren Patientinnen angewendet. Insgesamt wurden neun Frauen im Rahmen der Studie behandelt, davon sieben am Universitätsklinikum Leipzig und zwei am Universitätsklinikum Köln.

„Die Ergebnisse sind vielversprechend: Wir konnten zeigen, dass die Konzentration des krankheitsauslösenden Proteins im Blut gesenkt wird. Gleichzeitig stabilisierte sich der klinische Zustand der Patientinnen und die Schwangerschaft konnte in mehreren Fällen verlängert werden“, sagt Prof. Dr. Holger Stepan und ergänzt: „Das ist ein wichtiger Schritt hin zu einer ursächlichen Therapie der Präeklampsie.“

15 Jahre Forschungsarbeit

Die internationale Studie ist das Ergebnis von rund 15 Jahren Forschungsarbeit – von den ersten Laboruntersuchungen über die Entwicklung eines spezifischen Filters bis hin zur klinischen Anwendung. Eine zentrale Rolle spielte dabei die enge Zusammenarbeit internationaler medizinischer Institutionen sowie die Unterstützung durch den deutschen Industriepartner Miltenyi Biotec, der die notwendige Filtertechnologie entwickelte und bereitstellte. Das Leipziger Apherese-Team unter Leitung von Prof. Holger Stepan begleitete die ersten Patientinnen intensiv während der Behandlung und trug maßgeblich zur klinischen Umsetzung bei.

Die Wissenschaftler:innen wollen nun in weiteren Studien prüfen, ob sich das Verfahren langfristig als Standardtherapie etablieren lässt. Der nächste Schritt ist eine größere multizentrische Studie mit deutlich mehr Patientinnen.

Quelle: Universität Leipzig


Originalpublikation: Ravi Thadhani et al.; Targeted removal of soluble Fms-like tyrosine kinase 1 in very preterm preeclampsia: a pilot trial; Nature Medicine, April 2026, DOI: 10.1038/s41591-026-04333-6


Bleibe informiert: Jetzt Newsletter abonnieren »

Newsletter abonnieren

Newsletter Icon MTA Blau 250x250px

Erhalten Sie die wichtigsten MT-News und Top-Jobs bequem und kostenlos per E-Mail.

Mehr zum Thema

3D-animierte Darstellung von Bakterien.
Ein Gerstenbier in einem Bierglas vor einem Bund Gerste und Gerstenkörnern auf einem braunen Tisch.

Das könnte Sie auch interessieren

MTL am Mikroskop
Bakterielle Biofilmmatrix bildet dichte extrazelluläre polymere Netzwerke mit bakteriellen Kolonien, filamentösen Strukturen und eingebetteten zellulären Clustern auf der biologischen Oberfläche.
Computeranimierte Darstellung eines Teils der DNA und der Gene.