Um den Wechsel zu einer FKS-freien Zellkultur voran zu treiben, hat die Arbeitsgruppe von Dr. Sonja Eberth, die am Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH die Arbeitsgruppe Tumorbiologie der Abteilung Menschliche und Tierische Zellkulturen leitet, vier häufig genutzte menschliche Krebszelllinien (HELA, HL-60, K-562, JIMT-1) an verschiedene tierkomponentenfreie Medien angepasst. Als Ersatz für das problematische Kälberserum kamen humanes Plättchenlysat, aber auch verschiedene vollständig chemisch definierte Medien zum Einsatz.
Mittels umfassender makroskopischer und molekularer Charakterisierung konnte gezeigt werden, dass die für die Krebserkrankungen charakteristischen Merkmale in den FKS-freien Zellkulturen erhalten geblieben sind. In geeigneten Alternativmedien sind die Zelllinien folglich ebenso gut für die Forschung einsetzbar wie die FKS-haltigen Kulturen. Diese Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Alternatives to Animal Experimentation publiziert.
FKS-freie Zelllinien im DSMZ-Portfolio
Um als erste Zelllinienbank nachhaltig den Wechsel zu einer FKS-freien und gleichzeitig reproduzierbareren Zellkultur zu fördern, werden die erfolgreich adaptierten und charakterisierten Krebszelllinien jetzt auch über den Katalog der DSMZ der weltweiten wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt. Die erste Zelllinie aus dieser Reihe ist die Leukämiezelllinie HL-60, die an ein vollständig chemisch definiertes Medium adaptiert wurde.
„Somit müssen von einzelnen Arbeitsgruppen nicht mehr Zeit und Geld in die Hand genommen werden, um eine Krebszelllinie auf ein FKS-freies Medium umzustellen und zu charakterisieren. Da die von uns adaptierten Zellen und ihre molekularen Daten verfügbar sind, kann datenbasiert entschieden werden, ob sich auch die FKS-freie Kultur für das jeweilige Forschungsprojekt eignet“, so Dr. Sonja Eberth.
Herstellung von fötalem Kälberserum
Die Produktion von FKS ist mit Tierleid verbunden, da das Blut den Föten ohne Betäubung durch Herzpunktion entnommen wird, wenn trächtige Rinder zum Schlachthof kommen. Zudem ist FKS eine Mischung von undefinierter und schwankender Zusammensetzung, weshalb die FKS-Produktion großen Qualitätsschwankungen unterliegt, die maßgeblich die Reproduzierbarkeit von Experimenten mit Zellkulturen beeinträchtigen können.
Da die Alternativmedien nicht universell einsetzbar sind, muss deren Eignung für jede einzelne Zelllinie getestet werden, was eine große praktische Hürde für den Wechsel zu FKS-freier Zellkultur darstellt.
Quelle: Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Originalpublikation: Anne L. Koelz et al.; Multiparametric evaluation of different FBS-free replacement media for widely used human cancer cell lines; ALTEX – Alternatives to Animal Experimentation, März 2026, DOI: 10.14573/altex.2512111





