Branche
on
Computeranimierte Darstellung des menschlichen Rumpfs, farbige Markierung und vergrößerte Darstellung der Leber, die von Krebs befallen ist.

Ein neuer Ansatz gegen Leberkrebs zielt nicht auf die Tumorzellen, sondern auf die Leberumgebung ab. © libre de droit / iStock / Getty Images Plus

| | | |

Krebs: Leberumgebung als Schlüssel zur Reduzierung von Metastasen

Im Kampf gegen Leberkrebs verfolgt ein interdisziplinäres Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Uniklinikums Erlangen eine neue Taktik. Dabei werden nicht wie bisher die Krebszellen ins Visier genommen, sondern die Leberumgebung. Grundlage des neuen Ansatzes ist ein von der Leber produziertes Eiweißmolekül, durch welches die Leber zum attraktiven Einnistungs-Ziel für gestreute Krebszellen wird. Die Forschenden haben ihren neuartigen therapeutischen Ansatz zur Behandlung von Lebermetastasen in Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) vorgestellt.

Im Mittelpunkt der Forschung steht die NPY-Y5R-Signalachse. NPY wird in der Leber produziert und vermittelt positive Signale für Zellmigration, Zellwachstum und Zellüberleben. Dadurch wird in der Lebernische ein stimulierendes Micromilieu etabliert. Krebszellen wiederum produzieren auf ihrer Oberfläche einen „Sensor“ für NPY – den Rezeptor Y5R –, wodurch sie die fruchtbare Umgebung nutzen können, um in der Leber heimisch zu werden. Wird diese Kommunikation gezielt gestört, fällt es den Krebszellen deutlich schwerer, in der Leber Fuß zu fassen.

„Wir adressieren die Nische“

„Therapieformen, die direkt gegen den Tumor gerichtet sind, scheitern häufig an Problemen wie der schlechten Erreichbarkeit der Krebszellen, einer zu geringen Spezifität, starken unerwarteten Nebenwirkungen oder einer raschen Resistenzentwicklung“, erklärt Dr. Laura Wormser vom Lehrstuhl für Biochemie und Molekulare Medizin und Erstautorin der Publikation. In einem vielversprechenden Ansatz adressierte die Forschungsgruppe daher die Lebernische, anstelle der Krebszellen.

In ihrer Studie konnten die Forschenden nun die Kommunikation zwischen Tumorzelle und Lebernische in präklinischen Modellen stören und so die Lebermetastasierung erfolgreich einschränken. „Wir zeigen, dass man die ‚Sprache‘ der Leber so verändern kann, dass Metastasen gar nicht erst heimisch werden“, sagt Laura Wormser. „Der Schritt weg von der Tumorzelle hin zur Organ-Nische eröffnet therapeutische Optionen, die bislang nicht erreichbar waren.“, ergänzt Dr. Peter Dietrich, Leiter der Studie. „So wird dem Tumor der „Nährboden“ entzogen, den er für die Ansiedelung und für das Wachstum in der Leber benötigt.“

Zur klinischen Anwendung

Metastasen sind die Hauptursache für krebsbedingte Todesfälle – und die Leber ist besonders häufig betroffen, unter anderem bei Schwarzen Hautkrebs-, Darm-, Bauchspeicheldrüsen, Magen- und Brustkrebspatienten/-innen. Wird die Nische beeinflusst, können Ansiedelung und Ausbreitung von Tumorzellen deutlich erschwert werden.

„Als nächste Schritte folgen der Feinschliff der Therapieform, Sicherheitsprüfungen und der Weg in die frühe klinische Anwendung an“, sagt Dr. Laura Wormser. „Bis zu Anwendungsreife ist es aber noch ein weiter Weg.“

Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg


Originalpublikation: Laura Wormser et al.; The liver talks back: NPY orchestrates attraction of cancer cells and CHK2-dependent clonogenicity in the metastatic niche; PNAS, November 2025, DOI: 10.1073/pnas.2518418122


Bleibe informiert: Jetzt Newsletter abonnieren »

Newsletter abonnieren

Newsletter Icon MTA Blau 250x250px

Erhalten Sie die wichtigsten MT-News und Top-Jobs bequem und kostenlos per E-Mail.

Mehr zum Thema

3D- und computeranimierte Abbildung einer menschlichen Lunge, die von Krebs befallen ist.
Computeranimierte Darstellung aller zentralen Organe in Kreisen um den menschlichen Körper herum.

Das könnte Sie auch interessieren

Computeranimierte Darstellung von X-Chromosomen, das größte in der Mitte ist pink markiert.
3D- und computeranimierte Abbildung einer menschlichen Lunge, die von Krebs befallen ist.
Computeranimierte Darstellung eines menschlichen Gehirns mit Signalen.