Branche
on
Animierte Darstellung des menschlichen Gehirns mit Blut-Hirn-Schranke.

Die Blut-Hirn-Schranke schützt das Gehirn vor schädlichen Stoffen und sichert ein stabiles Umfeld für Nervenzellen. © magicmine / iStock / Getty Images Plus

|

Neurologie: Modell der Blut-Hirn-Schranke soll Medikamentenzugang verbessern

Die Blut-Hirn-Schranke schützt das Gehirn vor Schadstoffen – doch zugleich erschwert sie den Zugang für dringend benötigte Therapien. Um diesen komplexen Mechanismus besser zu verstehen und neue Wege für die Medikamentenverabreichung ins Gehirn zu entwickeln, arbeitet ein Forschungsteam der Hochschule Reutlingen an einem innovativen Modell im Labor. Das Projekt wird von der Carl-Zeiss-Stiftung im Rahmen des Programms „CZS Forschungsstart“ mit rund 175.000 Euro gefördert.

Die Blut-Hirn-Schranke (BHS) ist ein lebenswichtiger Schutzmechanismus des Körpers: Sie trennt das Gehirn vom Blutkreislauf und verhindert, dass schädliche Stoffe ins zentrale Nervensystem gelangen. Gleichzeitig sorgt sie für eine stabile Umgebung, in der unsere Nervenzellen optimal arbeiten können.

Modell der Blut-Hirn-Schranke

Doch genau diese Schutzfunktion stellt die Medizin vor große Herausforderungen. Denn nicht nur erreichen viele Medikamente das Gehirn kaum oder gar nicht – auch an der Entstehung von Krankheiten wie Schizophrenie, Alzheimer, Parkinson, Multipler Sklerose und Hirntumoren ist die Blut-Hirn-Schranke maßgeblich beteiligt.

Hier setzt das neue Forschungsprojekt „3D-hiPSC-BHS“ der Hochschule Reutlingen an: Ziel des Vorhabens ist es, ein möglichst realitätsnahes Modell der menschlichen Blut-Hirn-Schranke im Labor zu entwickeln.

Hirngefäßzellen aus Stammzellen

Dr. Ebru Ercan Herbst, Professorin für Biochemie und Bioanalytik an der Fakultät Life Sciences und Leiterin des Projekts erklärt: „Mit unserem Projekt leisten wir die Grundlagenarbeit für die Medizin von morgen. Ein besseres Verständnis der Blut-Hirn-Schranke ist entscheidend, um deren Beteiligung an der Entstehung sowie dem Fortschreiten von neurologischen Erkrankungen und Hirntumoren zu verstehen.“ Und weiter: „Darüber hinaus sind neue Erkenntnisse darüber von zentraler Bedeutung, um eine Plattform für die Auswahl wirksamerer Medikamente zu entwickeln, die tatsächlich das Gehirn erreichen.“

Dafür sollen aus menschlichen Stammzellen verschiedene Hirnzelltypen und Hirngefäßzellen erzeugt werden. Diese Plattform ermöglicht es, unter möglichst physiologischen Bedingungen zu untersuchen, wie Medikamente die Schranke passieren und wie sie im Gehirn wirken.

Therapien neurologischer Erkrankungen

In einem weiteren Schritt sollen spezielle Krankheitsmodelle entwickelt werden – etwa für Schizophrenie. Dazu werden Stammzellen verwendet, die aus Patientinnen und Patienten sowie gesunden Kontrollpersonen erzeugt wurden, um krankheitstypische Veränderungen der Blut-Hirn-Schranke zu untersuchen. Langfristig könnte das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung effektiverer Therapien für neurologische Erkrankungen leisten – und damit neue Perspektiven für die medizinische Forschung und Behandlung eröffnen.

In den kommenden 18 Monaten wird an der Hochschule Reutlingen dazu geforscht. Mit dem Programm unterstützt die Carl-Zeiss-Stiftung Neuberufene beim Start in die anwendungsorientierte Forschung an Hochschulen für angewandte Wissenschaften.

Quelle: Hochschule Reutlingen


Bleibe informiert: Jetzt Newsletter abonnieren »

Newsletter abonnieren

Newsletter Icon MTA Blau 250x250px

Erhalten Sie die wichtigsten MT-News und Top-Jobs bequem und kostenlos per E-Mail.

Mehr zum Thema

Nahaufnahme eines Arztes, der auf das Hologramm des Gehirns zeigt und schaut.
Eine Frau bedeckt ihre Nase vor schlechtem Geruch.

Das könnte Sie auch interessieren

Nahaufnahme eines Arztes, der auf das Hologramm des Gehirns zeigt und schaut.
Eine Frau bedeckt ihre Nase vor schlechtem Geruch.
Computeranimierte Zeichnung eines angewinkelten menschlichen Arms mit rot markiertem Bizeps.