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3D-animierte Darstellung von Proteinen in blauer Farbe.

Proteinbasierte Quantensensoren könnten künftig direkt in Zellen und Geweben eingesetzt werden. © Design Cells / iStock / Getty Images Plus

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Quantensensoren: Proteine lassen sich mit Radiowellen gezielt steuern

Bedeutender Fortschritt in der biologischen Quantensensorik: Ein Forschungsteam, geleitet von der Technischen Universität München (TUM), hat ein neues Wirkprinzip entdeckt und getestet, bei dem sich Proteine mit Radiowellen steuern lassen. Dabei beeinflussen sie einen empfindlichen Quantenzustand namens Spin und machen ihn über Licht sichtbar. In Zukunft könnten solche Erkenntnisse helfen, biochemische Prozesse in Zellen einfach von außen mit Radiowellen zu detektieren und sogar zu lenken.

Bisher kennt man Quantensensorik vor allem aus festen Materialien wie Diamanten mit gezielt eingebauten winzigen Defekten. Die Forschenden übertragen dieses Prinzip nun auf Proteine, also biologische Moleküle, die sich genetisch herstellen und gezielt anpassen lassen. So könnten in Zukunft Quantensensoren direkt in Zellen oder Gewebe eingebaut werden.

Radiowellen steuern Prozesse

Diese Protein-Sensoren eignen sich potenziell besonders für Biosensing, also das Abbilden von lebenden Zellen, Geweben oder Organen. Sie sitzen theoretisch direkt dort, wo gemessen werden soll, und wären damit für Untersuchungen in Organismen geeignet – anders als sperrige Festkörper-Sensoren.

Dominik Bucher, Professor für Quantensensorik an der TUM School of Natural Sciences, und Letztautor der in Nature Biotechnology veröffentlichten Studie, erläutert: „Im Gegensatz zu den etablierten festkörperbasierten Systemen können proteinbasierte Ansätze nicht nur als Sensoren dienen, sondern eröffnen perspektivisch auch die Möglichkeit, biologische Prozesse gezielt mit Radiowellen zu steuern – eine äußerst spannende Perspektive.“

Was haben die Forschenden gemacht?

Die Forschenden haben zwei lichtempfindliche Proteine – sogenannte Flavoproteine – mit blauem Licht bestrahlt. Ausgangspunkt bildete dabei ein Cryptochrom, ein Protein, das in der Biologie als potentieller Magnetfeldsensor bei Vögeln untersucht wird. Die für die Studie verwendeten Proteinproben wurden von der Forschungsgruppe von Prof. Erik Schleicher an der Universität Freiburg zur Verfügung gestellt.

Durch das Licht entstehen in den Proteinen Radikalpaare mit außergewöhnlichen Spineigenschaften: Das sind miteinander gekoppelte Elektronen-Duos, die extrem empfindlich auf Magnetfelder reagieren. Dieses Verhalten kann über die Intensität des Leuchtens dieser Proteine sichtbar gemacht werden.

Biotechnologische Anwendungen

Anschließend nutzten die Forschenden gezielt Radiowellen und konnten damit das Leuchten der Proteine – und somit die zugrunde liegenden Radikalpaare – verändern . Das zeigt, dass die empfindlichen Quantenzustände in der biologischen Umgebung durch elektromagnetische Felder beeinflusst werden können.

Die Proteine agieren als Magnetfeldsensoren und sogar Magnetfeldverteilungen in den Proben sichtbar machen. Das Signal wird dabei rein optisch über Licht ausgelesen – ähnlich wie bei den festköperbasierten Quantensensoren.

Auch wenn es sich um Grundlagenforschung handelt, haben die Erkenntnisse großes Potenzial für zeitnahe biotechnologische Anwendungen. Kun Meng, Doktorand an der TUM School of Natural Sciences, und Erstautor der Studie, erklärt: „Die Möglichkeiten reichen von biologischen Quantensensoren bis hin zur durch Radiowellen gesteuerten Zellaktivität, beispielsweise der ferngesteuerten Genexpression.“

Quelle: Technische Universität München


Originalpublikation: Kun Meng et al.; Optically detected and radio wave-controlled spin chemistry in flavoproteins; Nature Biotechnology, Mai 2026, DOI: 10.1038/s41587-026-03158-5


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