Branche
on
Plaqueablagerung in Blutgefäß.

Eine räumliche Analyse von Proteinen in menschlichen Gefäßen zeigt, warum manche Ablagerungen leichter aufreißen. © piyaset / iStock / Getty Images Plus

| |

Proteomik: Proteinverteilung in Gefäßablagerungen zeigt Risiko für Schlaganfall

Forschende des DZHK und der TU München haben die räumliche Proteinverteilung in Halsschlagader-Plaques untersucht. Die Ergebnisse zeigen, welche molekularen Prozesse die Stabilität der Ablagerungen beeinflussen – und identifizieren PCSK9 als möglichen Marker für besonders risikoreiche Plaques.

Ablagerungen in der Halsschlagader, Plaques genannt, gehören zu den häufigsten Ursachen für Schlaganfälle. Besonders gefährlich sind dabei nicht unbedingt die größten Plaques, die Gefäße einengen, sondern solche die leicht aufreißen. Sie können auch dann einen Schlaganfall auslösen, wenn die Gefäßverengung zuvor nicht besonders auffällig war. Für die Betroffenen kommt ein solches Ereignis oft völlig unerwartet.

Räumliche Proteinverteilung in Plaques untersucht

Ein Forschungsteam unter Beteiligung des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), der Technischen Universität München (TUM) und des TUM Klinikums hat nun erstmals die räumliche Verteilung von Proteinen in verschiedenen Bereichen solcher Plaques untersucht.

Die Ergebnisse zeigen, warum manche Plaques instabil werden und leichter aufbrechen können. Gleichzeitig identifizierten die Forschenden mit PCSK9 einen bekannten Regulator des Fettstoffwechsels als möglichen lokalen Marker für besonders gefährliche Plaques.

Ob eine Plaque gefährlich wird, hängt wesentlich von ihrer bindegewebigen Kappe ab. Sie trennt den fettreichen Kern der Plaque vom Blutstrom. Reißt diese Schutzschicht auf, kann sich innerhalb kurzer Zeit ein Blutgerinnsel bilden, das einen Schlaganfall auslöst. Warum die Kappe bei manchen Plaques instabil wird, ist bislang nur unvollständig verstanden.

Entscheidende Unterschiede liegen im Inneren der Plaques

Für die Studie analysierten die Forschenden Gewebeproben von 112 Patientinnen und Patienten, bei denen aufgrund einer hochgradigen Verengung der Halsschlagader eine Operation durchgeführt worden war. Mithilfe einer hochauflösenden Methode untersuchten sie getrennt den abgestorbenen Gewebekern, die bindegewebige Kappe und die Gefäßwand jeder Plaque. Insgesamt identifizierten sie fast 4.900 verschiedene Proteine und konnten zeigen, wo diese innerhalb der Plaque vorkommen.

Es zeigte sich, dass sich instabile Plaques vor allem im Bereich des abgestorbenen Gewebekerns und der bindegewebigen Kappe von stabileren Plaques unterscheiden. Dort fanden die Forschenden verstärkt Hinweise auf Entzündungen, Veränderungen des Fettstoffwechsels, Umbau des Stützgewebes sowie Verkalkungsprozesse. Die Gefäßwand selbst unterschied sich deutlich weniger.

PCSK9 als möglicher Marker für instabile Plaques

„Wir wissen seit Langem, dass nicht die Größe einer Plaque allein entscheidend ist, sondern ihre Stabilität. Mit unserer räumlichen Analyse können wir erstmals genau nachvollziehen, welche molekularen Prozesse in den verschiedenen Bereichen einer Plaque ablaufen. Das eröffnet neue Möglichkeiten, gefährliche Plaques besser zu erkennen und langfristig gezielter zu behandeln“, sagt einer der beiden Letztautoren der Studie, Prof. Lars Maegdefessel vom TUM Klinikum München/DZHK-Standort München.

Besonders auffällig war das bereits durch den Fettstoffwechsel bekannte Protein PCSK9. Es trat lokal bei instabilen Plaques häufiger auf als bei stabileren. In weiteren Experimenten konnten die Forschenden zeigen, dass Gefäßmuskelzellen unter entzündlichem und oxidativem Stress vermehrt PCSK9 bilden und freisetzen.
Das deutet darauf hin, dass PCSK9 nicht nur den Cholesterinstoffwechsel beeinflusst, sondern möglicherweise auch direkt an den Veränderungen beteiligt ist, die Plaques instabil machen.

Quelle: Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.


Bleibe informiert: Jetzt Newsletter abonnieren »

Newsletter abonnieren

Newsletter Icon MTA Blau 250x250px

Erhalten Sie die wichtigsten MT-News und Top-Jobs bequem und kostenlos per E-Mail.

Mehr zum Thema

Abbildung von Zellen
Mikroskop im Labor und Gewebeschnitt im Hintergrund.

Das könnte Sie auch interessieren

Anatomie der Nebenniere des menschlichen Körpers
Multiple Myelomzellen gruppieren sich im Blutfluss.
r Mann im Labor mit Mikroskop