Die gute Nachricht gleich vorneweg: Auch Menschen mit Herzproblemen müssen in der Regel nicht aufs Reisen verzichten. Grundsätzlich sollten Betroffene jedoch immer mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt Rücksprache halten, ob und wann eine Reise möglich ist oder nicht. Nur so lassen sich Risiken durch Überlastungen oder etwa Fehleinschätzungen vermeiden. Erster Anhaltspunkt, ob eine Reise empfehlenswert ist, ist die individuelle Belastbarkeit.
Darf ich als Herzpatient in den Urlaub reisen?
Bestimmte Eingriffe und Erkrankungen am Herzen sollten eine bestimmte Zeit zurückliegen, um sicher in den Urlaub fahren zu können:
- nach frischem Herzinfarkt: anhängig von Infarktgröße und -lokalisation (Vorderwand-/ Hinterwandinfarkt). Bei niedrigem Risiko z. B. bereits nach 3 Tagen reisen möglich; empfohlen: 14 Tage warten
- nach Stent-Implantation/PCI: nach 2 bis 3 Tagen bei unkompliziertem Verlauf möglich; empfohlen: Bei Zugang durch die Leistenarterie 1 Woche warten
- nach Bypass-Op: nach 10 Tagen bei unkompliziertem Eingriff möglich; empfohlen: bei Flügen 14 Tage warten
- nach Katheterablation: nach 2 bis 3 Tagen möglich; empfohlen: 1 Woche warten (da Zugang durch die Leistenarterie)
- nach großem herzchirurgischem Eingriff: nach 14 Tagen möglich, bei postoperativen Problemen nach ca. 6 Wochen möglich
- nach Implantation von CRT-Schrittmacher/ Defibrillator: nach 2 bis 3 Tagen bei unkompliziertem Eingriff möglich; empfohlen: 14 Tage warten
Das richtige Reiseziel für Herzpatienten
Bei der Wahl des richtigen Urlaubsziels sollten Herzpatienten den Klima- und Zeitwechsel berücksichtigen. Sehr hohe Temperauren können ohne Vorsichtsmaßnahmen bei vorbelasteten Menschen beispielsweise einen Kreislaufkollaps oder Herzrhythmusstörungen auslösen. Auch aufenthalte in großen Höhen können den Körper unter Stress setzen – nicht nur bei Wanderungen in den Bergen, sondern auch Aufenthalten und beispielsweise Kulturreisen in hochgelegene Regionen.
Bei leichter körperlicher Aktivität gilt dabei als kritische Grenze eine Höhe von 2500 Metern, bei intensiver Belastung (Berganstieg) liegt die allerdings schon deutlich darunter (zum Vergleich: Die Zugspitze ist 2962 Meter hoch, das ebenfalls per Seilbahn erreichbare Klein-Matterhorn bei Zermatt 3883 Meter, und die bolivianische Hauptstadt La Paz liegt auf 3869 Metern).
Klimatische Belastungen für Herzpatienten
Mit zunehmender Höhe wird die Luft dünner, es gelangt weniger Sauerstoff in die Arterien. Dadurch steigt die Herzschlagrate. Der hohe Puls kann insbesondere Menschen mit einer Herzschwäche enorm belasten. Zeitgleich wird durch die intensivere Atmung CO2 vermehrt abgeatmet, was den Säure-Basen Haushalt im Blut durcheinander bringt.
Tropische und subtropische, arktische und subarktische Klimata sind für Herzpatienten grundsätzlich nicht zu empfehlen, denn sie strengen das Herz-Kreislauf-System zu sehr an. Generell gilt: Je ausgeprägter der Klimawechsel von Heimat zum Reiseziel ist, desto belastender ist der Aufenthalt fürs Herz. Sinnvoller ist es, eine Klimazone zu wählen, an die der Körper bereits gewohnt ist. Optimale Reisezeiten für Herzpatienten sind das Frühjahr und der Herbst.
Flugreise ja oder nein?
Langes Sitzen bei Langstreckenflügen bringt die Gefahr einer Thrombose mit sich, die zur Lungenembolie führen kann. Ein besonderes Risiko einer solchen Gerinnselbildung besteht bei Venenleiden, abgelaufener Venenthrombose, nach Operationen z. B. am Knie und im Bauchraum, bei Gerinnungsstörungen, Rauchern, Frauen nach einer Geburt, Frauen, die die Pille einnehmen. Mit dem Arzt sollte besprochen werden, ob Thrombosestrümpfe und Heparinspritzen ratsam sind.
Patienten mit koronarer Herzkrankheit, Herzschwäche, Herzklappenersatz, Schrittmacher- und Defi können fliegen, wenn sie gut belastbar sind, die Krankheitssituation stabil ist und sich Herz-Symptome nicht akut verschlechtern/verändern. Krankenunterlagen sollten während des Fluges griff bereit sein. Ausreichend Medikamente, die während der direkten Reisezeit nötig sind (plus Puffer), ins Handgepäck plus Medikationsplan zum Bedarfsnachweis.
Wasser statt Alkohol: Tipps zur Hydration
Auf jeden Fall Bordgymnastik: Ferse und Zehen abwechselnd heben, Fußkreisel, Unterschenkel beugen und strecken, Knie anheben, Rückendrücken. Viel trinken, vor allem Mineralwasser, keinen Alkohol. Alle zwei Stunden im Gang spazieren gehen. Hilfreich ist, gleich einen Gangplatz zu reservieren.
Nach Erreichen des Reiseziels ist es wichtig, sich langsamen einzugewöhnen, d.h. in den ersten Tagen etwa auf längere Bergtouren verzichten oder lange Sonnenbäder vermeiden. Regelmäßige leichte bis mittlere Belastung ist auch im Urlaub wünschenswert, z.B. Wandern oder Radfahren – allerdings sollte diese nicht in der Mittagssonne stattfinden.
Was sollten Herzpatienten am Urlaubsort beachten:
Wer Schwimmen gehen möchte, sollte dies vorab mit dem Arzt sprechen. Denn beim plötzlichen Einsteigen in kaltes Wasser oder beim Ausstieg aus dem Wasser kann es unter Umständen zu Kreislaufproblemen kommen. Patienten, die Medikamente nehmen, wie Marcumar, sollten ihre gewohnte Einnahmezeit beibehalten, denn so ist die Gefahr am geringsten, dass das Medikament vergessen wird. Da sich im Urlaub die Essgewohnheiten ändern können, sollten Herzpatienten, die Marcumar einnehmen, ihre Gerinnung in kürzeren Abständen kontrollieren.
Denn fettes Essen und viele Lebensmittel mit einem hohen Vitamin-K-Gehalt (etwa Spinat, Zwiebeln., Knoblauch, Mangold oder Linsen) können die Wirkung von Marcumar beeinflussen. Im Allgemeinen sollten Herzpatienten auf eine gesunde Ernährung (Mittelmeerküche mit viel Obst und Gemüse, wenig Fett und Salz) und ausreichend Flüssigkeit (Mineralwasser, Tee) achten.
Wann sollten Herzpatienten auf eine Reise verzichten?
- Angina pectoris (Brustenge) bei geringen Belastungen, wie z. B. Treppensteigen
- mit zunehmender Stärke auftretende Angina pectoris (Brustenge),
- Luftnot bei geringer Belastung wie Gehen zu ebener Erde oder Treppensteigen,
- zunehmender Luftnot oder zunehmenden Ödemen (Wassereinlagerungen),
- wiederholtem Schwindel
- und plötzlichen Bewusstlosigkeiten (Synkopen)
Quelle: Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung






