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Symbolbild Künstliche Intelligenz und Radiologie.

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) in der Radiologie war ebenfalls großer Bestandteil des Kongresses. © greenbutterfly / iStock / Getty Images Plus

European Congress of Radiology: Bedeutung der Radiologie für die Gesundheitsversorgung

Der European Congress of Radiology (ECR) stellt die zweitgrößte radiologische Tagung der Welt dar, größer ist nur der RSNA in Chicago. Vom 1. bis 5. März 2023 kamen im Austria Center Wien mehr als 17 000 Teilnehmer:innen aus allen radiologischen Bereichen zusammen.

Fachleute aus der Radiologie, Physiker:innen, Industrievertreter:innen sowie Radiologietechnolog:innen waren auf dem Kongress vertreten. Mit rund 6000 Repräsentant:innen stellte die Industrie einen wichtigen Anteil und präsentierte die neuesten Erkenntnisse aus der Welt der medizinischen Bildgebung. Neben einer umfangreichen Ausstellung und zahlreichen weiteren Veranstaltungsinhalten ermöglichte auch das wissenschaftliche Kongressprogramm Einblicke in die jüngsten Erkenntnisse der Forschung.

Veranstaltungsort Wien

Der bereits 1967 gegründete Kongress findet seit 1999 jährlich in Wien statt. Durch den Zusammenschluss mit der Europäischen Radiologievereinigung (EAR) im Jahr 2005 entstand die European Society of Radiology (ESR), ebenfalls mit Sitz in Wien. Sie dient als Interessensvertretung der Radiologie innerhalb der Europäischen Union. Das Thema des diesjährigen Kongresses lautete „The Cycle of Life“ und spiegelt die zentrale Bedeutung der Radiologie für die Gesundheitsversorgung während des gesamten Lebensweges wider.

Denn die Radiologie ermöglicht erste Blicke auf das Leben im Mutterleib und begleitet den Menschen durch Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter. Mit klaren Bildern lassen sich einfache und komplexe Verletzungen sowie Krankheiten erkennen oder diagnostische Hinweise zu Behandlungen ermitteln.

Verschiedene Veranstalter präsentierten die neuesten Erkenntnisse aus Medizintechnik, Dienstleistung und Datenanalyse. Dadurch besteht die Möglichkeit, Arbeiten effizienter, Therapien präziser und Patient:innen schneller wieder gesund zu machen. So zeigte Mark Woods, ein ehemaliger Radiographer aus Australien, der jetzt als Produktmanager bei Siemens Healthineers den Bereich Digitalisierung und Automation leitet, einen Echtzeit-Remote-Scan von Wien aus zum Universitätsklinikum Essen.

Mithilfe solcher Tools werden Workflows und Prozesse verbessert. Experten haben so die Möglichkeit mit mehreren Scans zu arbeiten, ohne vor Ort anwesend zu sein. Daneben stellte Siemens Healthineers seine neue Ultraschall-Flagschiffserie vor. Diese Ultratechnologie stellt eine der am schnellsten wachsenden globalen Märkte dar. Aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung sowie zunehmender chronischer Erkrankungen werden die Untersuchungen komplexer. Modernste Verfahren und Technologien ermöglichen diagnostische Genauigkeit.

Künstliche Intelligenz in der Radiologie

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) zieht sich ebenfalls durch viele Bereiche des Kongresses. „KI in der Radiologie ist wichtig, um die Patientensicherheit zu verbessern und das Personal zu entlasten“, erklärte Christian Bernhard, General Manager GE Healthcare.

„KI wird eingesetzt, um Befunde frühzeitig zu erkennen, damit sich die Radiolog:innen auf schwierige Fälle konzentrieren können. Ferner werden Workflows verbessert und vereinheitlicht. Wir haben eine smarte Plattform entwickelt, die vorausschauend erkennt, welche Patient:innen nicht zum Termin erscheinen werden, das sind immerhin sieben Prozent – viel Geld für die radiologischen Abteilungen. Wenn wir über diese Lösungen erkennen, wer nicht kommen wird, können wir diese Patient:innen gezielt ansprechen.“

Prof. Dr. Konstantin Nikolaou, Ärztlicher Direktor der Radiologischen Klinik, Diagnostische und Interventionelle Radiologie, am Universitätsklinikum Tübingen ist Vorstandsmitglied in der Deutschen Röntgengesellschaft und dessen designierter Präsident (2023 bis 2025). Er betonte: „KI-Lösungen entwickeln sich aktuell etwas langsamer als wir es vor einiger Zeit noch glaubten. Es bewegt sich dennoch viel, und zwar in allen Ebenen: der Bildakquise, der Bilderhebung und der Rekonstruktion, also der Erkennung von Krankheiten. Jedoch gibt es zur echten Diagnosefindung nur recht wenige Produkte, so richtig in der Routine angekommen sind diese noch nicht. Das liegt unter anderem an der schwierigen Implementierung in vorhandene Workflows. Hier benötigen wir digitale Plattformen, die verschiedene Lösungen zusammenbringen. Auch die Zertifizierungen und Re-Zertifizierungen für KI-Produkte, die ja ständig weiter lernen können, sind eine Herausforderung, die noch nicht geklärt ist.“

Steigende Arbeitslast durch KI mindern

Neben der Digitalisierung radiologischer Informationen müssen andere diagnostische Bereiche über die KI integriert werden, beispielsweise Laborwerte und molekulare Daten. Dabei sollten alle Informationen so klug implementiert werden, dass dadurch Mehrwerte für die Patient:innen entstehen.

Mittlerweile beschäftigt sich die Diskussion nicht mehr mit dem Ersetzen von Personal, sondern damit, wie die steigende Arbeitslast in Routineaufgaben bewältigt werden kann. Denn Zählungen, Zweitbefundung und ähnliche Dinge sind Aufgaben, die eine KI leisten kann. Allerdings hat noch kein Thema den absoluten Durchbruch gebracht.

Der deutsche Röntgenkongress hat am 1. März damit begonnen, online-Sessions unter dem Motto „Abenteuer Forschung!“ anzubieten. Hier werden weitere Entwicklungen rund um die medizinische Bildgebung und die gezielte, bildgeführte Behandlung von Erkrankungen diskutiert. Die Präsenzveranstaltung tagt vom 17. bis 19. Mai 2023 im RheinMain CongressCenter (RMCC) in Wiesbaden.

Mirjam Bauer

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