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3D-Illustration von Erythrozyten. Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff durch den Blutkreislauf.

Eisen ist für den Sauerstofftransport wichtig, doch etwa 30 % der Menschen, vor allem Frauen, leiden weltweit unter Eisenmangel. © quantic69 / iStock / Getty Images Plus

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Sideropenie: Eisenmangel bleibt oft unerkannt und betrifft vor allem Frauen

Er ist die häufigste Mangelerscheinung weltweit – und dennoch wird Eisenmangel im klinischen Alltag oft erst spät erkannt. Besonders Frauen sind häufig betroffen. Warum das so ist, wie sich ein Mangel bemerkbar macht und was hilft – ein Überblick.

Eisen erfüllt im Körper zentrale Aufgaben. Es ist unverzichtbar für die Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, der für den Sauerstofftransport im Blut zuständig ist. Trotzdem sind laut WHO weltweit rund 30 Prozent der Menschen von Eisenmangel betroffen. In Deutschland trifft es überwiegend Frauen. Sie stellen etwa 75 Prozent der Betroffenen. Starke Regelblutungen, Schwangerschaften oder die Stillzeit zählen zu den Hauptursachen und machen Frauen zu einer klaren Risikogruppe.

Hämoglobin: Träger des Sauerstoffs

Hämoglobin ist das eisenhaltige Protein, das in den roten Blutkörperchen, den Erythrozyten, für den Sauerstofftransport zuständig ist. Etwa 70 Prozent des Eisens im Körper ist in diesem Molekül gespeichert, das entspricht etwa drei bis fünf Milligramm. Ohne ausreichend Eisen kann der Körper kein Hämoglobin produzieren, was den Sauerstofftransport einschränkt. In der Folge werden Organe und Gewebe schlechter versorgt. Eisen ist damit nicht nur für die Energiegewinnung, sondern auch für die Zellteilung unerlässlich.

Vom Speichermangel zur Anämie

Eisenmangel entsteht durch eine negative Eisenbilanz, die häufig ausgelöst wird durch erhöhten Verlust oder einen gestörten Stoffwechsel infolge von Entzündungen. Zunächst greift der Körper auf seine Eisenspeicher zurück. Diese Entleerung bleibt meist unbemerkt. Erste Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörungen oder ein Restless-Legs-Syndrom sind wenig spezifisch und werden oft übersehen.

Bleibt der Mangel bestehen, ist irgendwann auch das gespeicherte Eisen aufgebraucht. Die Folge: Der Körper kann nur noch wenig Hämoglobin bilden, eine Eisenmangelanämie entsteht. Dann reicht die Sauerstoffversorgung nicht mehr aus. Die Leistungsfähigkeit sinkt, Muskelfunktion und kognitive Fähigkeiten nehmen ab, oft deutlich.

Ursachen oftmals multifaktoriell

Ein häufiger Auslöser für Eisenmangel ist eine zu geringe Aufnahme über die Nahrung, etwa durch eine einseitige Ernährung, Essstörungen oder fleischfreie Kost. Daneben kann auch ein erhöhter Bedarf zu einem Mangel führen – etwa während starker Regelblutungen, einer Schwangerschaft, in der Stillzeit oder im Wachstum. Eine Eisenmangelanämie taucht also häufig bei Frauen im gebärfähigen Alter auf, was erhöhte Risiken für Frauen, aber auch Föten und Neugeborene bedeutet.

Hinzu kommen weitere Risikogruppen: Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen etwa. Bei ihnen bleibt der Mangel im Klinikalltag oft unentdeckt, nicht zuletzt, weil unterschiedliche Normwerte gelten. Je nach Vorerkrankung müssen abweichende Grenzwerte berücksichtigt werden. Diese sind in Laborberichten jedoch häufig nicht explizit ausgewiesen.

Ausdauersport und Eisenmangel

Für Ausdauersportler ist eine ausreichende Eisenversorgung entscheidend, denn sie beeinflusst die Leistungsfähigkeit. Mit steigender Laufgeschwindigkeit wächst der Sauerstoffbedarf des Körpers und damit auch der Eisenverbrauch. Läuferinnen und Läufer gehören deshalb zur Risikogruppe für Eisenmangel. Besonders wenn regelmäßiges Training auf andere Risikofaktoren trifft, steigt die Gefahr einer Eisenmangelanämie.
Intensives Ausdauertraining erhöht das Blutvolumen um zehn bis 20 Prozent.

Für das zusätzliche Volumen braucht der Körper mehr Eisen. Gleichzeitig verlieren Sportler über den Schweiß etwa 1,2 Milligramm Eisen pro Liter. Hinzu kommt die Belastung durch die rhythmische Laufbewegung: Die mechanische Traumatisierung des Hämoglobins schädigt die Erythrozyten, was deren Lebensdauer verkürzt und den Eisenbedarf weiter erhöht.

Ein Hormon namens Hepcidin steuert die Eisenaufnahme im Darm. Wird es vermehrt ausgeschüttet, sinkt die Aufnahme. Studien zeigen, dass Testosteron die Hepcidin-Produktion hemmt, während Östrogen sie steigert. Das erklärt, warum gerade Frauen im Ausdauersport häufiger von Eisenmangel betroffen sind.

Gezielte Behandlung

Die labordiagnostische Abklärung eines Eisenmangels erfordert die Kombination verschiedener Parameter. Zum einen den Ferritinwert, um den Eisenspeicherstatus zu ermitteln. Unter 30 ng/ml ist bei Frauen von einem Mangel zu sprechen, zum anderen die Transferrinsättigung, um zu ermitteln, wie viel Eisen im Blut transportiert wird. Ein Wert unter 20 Prozent spricht für eine reduzierte Verfügbarkeit. Bei einem latenten Mangel und spätestes bei einer manifesten Eisenmangelanämie ist es ratsam, Eisenpräparate in Form von Tabletten oder Tropfen einzunehmen – immer in Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin.

Von einer eigenmächtigen Einnahme von Eisenpräparaten raten Fachleute ab. Denn zu viel Eisen kann dem Körper schaden. Erhöhte Eisenwerte gelten als Risikofaktor für koronare Herzerkrankungen. Wird Eisen in hohen Mengen über Präparate aufgenommen, können die regulierenden Darmzellen geschädigt werden. Zudem ist Eisen nicht immer gut verträglich. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Sodbrennen, Erbrechen, Durchfall oder Bauchschmerzen. Kommt es zu einer Eisenüberladung, stößt die körpereigene Regulation durch Hepcidin an ihre Grenzen. Besser verträglich sind niedrig dosierte Präparate. Sie lösen keine Hepcidin-Ausschüttung aus und verbessern so die Aufnahme. Gleichzeitig werden Therapien seltener abgebrochen.

Eisenmangel ist eine unterschätzte, aber weit verbreitete Mangelerscheinung. Die unspezifischen Symptome führen oft zu einer späten Diagnose – dabei lässt sich der Mangel gut behandeln, wenn er früh erkannt wird. Besonders gefährdete Gruppen wie Frauen oder chronisch Erkrankte sollten daher gezielt beobachtet werden. Eine differenzierte Diagnostik ist der Schlüssel zur richtigen Therapie.

Katja Löffler


Quellen


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