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Eine behandschuhte Hand, die Antibiotika in Pillenform hält sowie Petrischalen, die in Flüssigkeiten eine Antibiotikaresistenz nachweisen.

Der falsche Einsatz von Antibiotika fördert Resistenzen und erschwert die Behandlung von Infektionen. © TopMicrobialStock / iStock / Getty Images Plus

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Resistenzen: Immer mehr Antibiotika verlieren an Wirksamkeit

Durch Missbrauch und unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika nehmen antimikrobielle Resistenzen zu und gehören damit laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den zehn größten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit. Die Entwicklung resistenter Bakterien schreitet schneller voran als der medizinische Fortschritt.

Der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika beschleunigt die Entwicklung von sogenannten „Superbakterien“, die resistent gegen mehrere antimikrobielle Wirkstoffe sind. Dadurch wird die Behandlung bakterieller Infektionen zunehmend schwieriger. Die WHO warnt, dass wichtige Antibiotika bis 2035 ihre Wirksamkeit vollständig verlieren könnten.

Weltweit nehmen resistente Krankheitserreger zu. Besonders hohe Resistenzraten treten im Mittelmeerraum und in Südostasien auf. Bereits heute sterben Millionen Menschen an bakteriellen Infektionen, die sich mit gängigen Medikamenten nicht mehr behandeln lassen. Allein in Deutschland starben 2019 laut Robert Koch-Institut fast 10000 Menschen an resistenten Erregern.

Entstehung von Antibiotika-Resistenzen

Von einer Resistenz spricht man, wenn antimikrobielle Mittel Bakterien nicht mehr abtöten (Bakteriozide) oder am Wachstum hindern (Bakteriostatika) können. Es sind vielfältige Gründe, die zu Antibiotika-Resistenzen führen:

  • Falsche oder übermäßige Anwendung von Antibiotika,
  • genetische Anpassungsfähigkeit der Bakterien sowie
  • Rückstände in Abwässern.

Das Problem betrifft nicht nur Krankenhäuser, sondern auch Umwelt und Landwirtschaft – alle Bereiche sind miteinander verknüpft. Früher bestand die Regel, Antibiotika so lange einzunehmen, bis alle Erreger abgetötet sind. Dies betraf häufig einen Zeitraum von zehn bis 14 Tagen. Heute wird die Therapiedauer verkürzt, um den Selektionsdruck zu verringern und dadurch das Überleben resistenter Stämme zu minimieren. Antibiotika wurden zudem lange als Allheilmittel betrachtet und häufig bei viralen Erkrankungen verordnet, gegen die sie wirkungslos sind.

Missbräuchliche Nutzung von Antibiotika

Eine WHO/Europa-Studie in 14 Ländern zeigt, wie verbreitet der falsche Umgang mit Antibiotika ist. Von den befragten 8221 Personen haben rund die Hälfte in den vergangenen zwölf Monaten Antibiotika eingenommen, 67 Prozent auf ärztliche Verschreibung. Häufige, jedoch problematische Einnahmegründe waren Erkältungen, Halsschmerzen oder grippeähnliche Symptome, die in der Regel viral bedingt sind und daher keine Antibiotikatherapie erfordern. Ein Drittel der Teilnehmenden (teilweise 40 Prozent) nahmen Antibiotika ohne ärztliche Verordnung.

Der EU-Durchschnitt liegt bei acht Prozent. Zudem offenbart die Studie deutliche Wissenslücken unter den Befragten. Nur 16 Prozent beantworteten alle Fragen zum Thema richtig, 43 Prozent hielten Antibiotika fälschlich für wirksam gegen Viren. Auch die Aufklärung scheint unzureichend, da lediglich 37 Prozent im letzten Jahr Informationen zum verantwortungsvollen Gebrauch von Antibiotika erhalten hatten. Häufig werden Medikamente zudem nicht vollständig eingenommen, für spätere Anwendungen aufbewahrt oder an Angehörige weitergegeben. Dies sind alles Praktiken, die Resistenzen fördern.

Was getan werden muss

Der Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen erfordert Maßnahmen auf mehreren Ebenen. Zunächst braucht es deutlich mehr Aufklärung. Die Ergebnisse der WHO-Umfrage zeigen, dass viele Menschen den richtigen Umgang mit Antibiotika nicht kennen. Klare, zielgerichtete Gesundheitskommunikation ist entscheidend. Zudem müssen medizinische Programme wie „Antibiotic Stewardship“ (ABS) gestärkt werden, welche auf einen rationalen und gezielten Einsatz von Antibiotika abzielen, um Missbrauch zu verhindern.

Dazu gehören Fortbildungen, bessere Diagnostik, gezielte Therapien und die Verkürzung der Behandlungsdauer. Ebenso wichtig ist der Ausbau von umfassenden Überwachungssystemen, um bestehende blinde Flecken zu beseitigen. Politische Unterstützung und Investitionen sind notwendig, um diese Maßnahmen nachhaltig zu etablieren. Ohne konsequentes Handeln droht laut WHO, dass bis 2035 viele lebenswichtige Antibiotika ihre Wirksamkeit verlieren.

Heike Lachnit


Quellen


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