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Analyse von Blutproben im Labor

Durch die DTT-Behandlung können auch Antigene weiterer Blutgruppensysteme zerstört werden. © Vadym Terelyuk / iStock / Getty Images Plus

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Anti-CD38: Multiples Myelom kann die immunhämatologische Diagnostik beeinflussen

Im immunhämatologischen Labor trifft Patientenmaterial mit der Anforderung zweier Erythrozytenkonzentrate ein. Doch bei der Bearbeitung reagieren diverse Tests plötzlich unerwartet positiv. Hinter dieser Panreaktion kann eine spezielle Therapie stecken.

Patienten mit Multiplem Myelom werden meist mit einer Kombinationstherapie behandelt. Eine wichtige Rolle spielt dabei der monoklonale Antikörper Daratumumab (DARZALEX®)1. Dabei handelt es sich um einen monoklonalen IgG-Antikörper, der sich gegen das CD38-Antigen richtet, das von Zellen des Multiplen Myeloms stark exprimiert wird.

Auch andere therapeutische Anti-CD38-Antikörper können diese immunhämatologische Interferenz verursachen. Aber auch Erythrozyten besitzen das CD38-Antigen in unterschiedlicher Dichte auf ihrer Oberfläche. Deshalb kann es nach therapeutischer Gabe von Daratumumab bis zu sechs Monate nach der letzten Infusion zu Interferenzen bei immunhämatologischen Untersuchungen kommen2.

Das typische Reaktionsmuster unter Anti-CD38

Dabei bleibt die Bestimmung der AB0-, Rhesus- und Kell-Merkmale zunächst ungestört. Erst bei der Bestimmung des Antikörpersuchtestes fällt auf, dass bei jeder Testzelle eine mäßig starke und sehr variable positive Reaktion zu sehen ist. Dadurch ist es unmöglich weitere irreguläre Antikörper zu erkennen, die durch diese Interferenz überdeckt würden3.

Interessant dabei ist, dass die Eigenkontrolle sowie der direkte Coombstest in der Regel nicht betroffen sind. Diese Interferenz zeigt sich vor allem im indirekten Coombstest mit Testzellen und Erythrozytenkonzentraten4. Die Kombination aus negativer Eigenkontrolle und positivem Antikörpersuchtest kann daher einen wichtigen Hinweis auf eine Anti-CD38-bedingte Interferenz geben5.

Dithiothreitol entfernt die Interferenz – aber nicht jedes Risiko

Die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie veröffentlichte eine Empfehlung zum Vorgehen in solchen Fällen. Dabei werden zwei Wege beschrieben, im Folgenden wird nur auf einen Weg eingegangen.

Es wird empfohlen, die Testzellen mit Dithiothreitol (DTT) zu behandeln. DTT spaltet Disulfidbrücken und verändert dadurch die Struktur des CD38-Antigens auf den Erythrozyten. Die Anti-CD38-bedingte Reaktion wird dadurch unterbunden. Anschließend können Antikörper gegen DTT-resistente Antigene wieder beurteilt werden6.

Zusätzlich werden durch die DTT-Behandlung auch Antigene weiterer Blutgruppensysteme zerstört. Von besonderer klinischer Bedeutung ist dabei das Kell-System. Antikörper gegen Kell- und Kp(a)-Antigene können nach der DTT-Behandlung möglicherweise nicht mehr erkannt werden. Deshalb sollte bei der Auswahl der Erythrozytenkonzentrate auf eine Kell- und Kp(a)-kompatible Versorgung des Patienten geachtet werden7.

Vom Informationsfluss zur richtigen Laborentscheidung

Die Empfehlung des Arzneimittelherstellers sieht vor, dass Patienten vor Beginn der Behandlung mit Daratumumab nach den lokalen Standards der Blutbanken typisiert und gescreent werden sollten. Zudem sollten die Patienten einen Ausweis erhalten, in dem die Ergebnisse der Blutgruppenbestimmung und des Antikörpersuchtestes vor Therapiebeginn dokumentiert sind8. Auch bereits bekannte irreguläre Antikörper sollten darin festgehalten werden.

Viele dieser Antikörper können nach der DTT-Behandlung weiterhin nachgewiesen werden, da DTT nicht alle Antigensysteme zerstört. Trotzdem sind bekannte Vorbefunde, beispielsweise aus anderen Laboren, wichtig für die weitere Diagnostik. In der Praxis kann es dennoch vorkommen, dass dem Labor entscheidende Informationen erst einmal fehlen.

Umso wichtiger ist es für MTL, auffällige Reaktionsmuster zu erkennen und bei einem unerwartet positiven Antikörpersuchtest und ebenfalls positiver Kreuzprobe, gezielt nach einer Anti-CD38-Therapie und der zugrunde liegenden Diagnose zu fragen. So kann die notwendige weiterführende Diagnostik eingeleitet werden.

Je nach Ausstattung und Spezialisierung des Labors kann eine Weiterleitung der Probe erforderlich sein. Durch hohes Probenaufkommen und Transportwege kann es zu Verzögerungen kommen. Eine klare Kommunikation zwischen Labor und ärztlichem Personal hilft deshalb, unnötigen Zeitverlust zu vermeiden und die Versorgung der Patienten sicherzustellen.

Jenny Cipri


Quellen:

  1. Arzneimitteldatenblatt Janssen Biologics B.V. DARZALEX® 20mg/ml
  2. Empfehlung zum Vorgehen bei serologischen Störungen durch den therapeutischen monoklonalen Antikörper Daratumumab (Darzalex®); Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) Sektion V: Immunhämatologie und Immungenetik, 01.07.2016
  3. Empfehlung zum Vorgehen bei serologischen Störungen durch den therapeutischen monoklonalen Antikörper Daratumumab (Darzalex®); Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) Sektion V: Immunhämatologie und Immungenetik, 01.07.2016
  4. Hämotherapie 32 Dr.med. Christof Weistock, 2019, S.10
  5. Hämotherapie 32 Dr.med. Christof Weistock, 2019, S.10
  6. Hämotherapie 32 Dr.med. Christof Weistock, 2019, S.12
  7. Hämotherapie 32 Dr.med. Christof Weistock, 2019, S.12
  8. Arzneimitteldatenblatt Janssen Biologics B.V. DARZALEX® 20mg/ml

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