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DNA auf blauem Hintergrund

Ursächlich sind Mutationen in verschiedenen Genen, die den sogenannten RAS/MAPK-Signalweg beeinflussen. © Rasi Bhadramani / iStock / Getty Images Plus

Seltene Erkrankung: Noonan-Syndrom Fortschritte bei Diagnostik und Prognose

Das Noonan-Syndrom ist eine seltene genetische Erkrankung, die mit einer Vielzahl körperlicher Auffälligkeiten einhergeht wie Kleinwüchsigkeit, Herzfehler und charakteristische Gesichtsmerkmale. Benannt wurde das Syndrom nach der US-amerikanischen Kinderkardiologin Jacqueline Noonan, die die Erkrankung erstmals systematisch beschrieb.

Ursächlich sind Mutationen in verschiedenen Genen, die den sogenannten RAS/MAPK-Signalweg beeinflussen. Dieser Signalweg spielt eine zentrale Rolle bei Zellwachstum, Entwicklung und Differenzierung. Aufgrund dieser gemeinsamen molekularen Grundlage wird das Noonan-Syndrom der Gruppe der sogenannten RASopathien zugeordnet. Fortschritte in der Forschung zu diesen Erkrankungen ermöglichen heute eine präzisere Diagnostik, genauere Vorhersagen zum Krankheitsverlauf und damit einhergehend bessere Behandlungsstrategien.

Genetische Ursachen des Noonan-Syndroms

In den meisten Fällen wird das Noonan-Syndrom autosomal-dominant vererbt, seltener autosomal-rezessiv. Etwa 50 Prozent der Erkrankungen entstehen familiär, während die übrigen Fälle auf Spontanmutationen zurückzuführen sind. Bis heute wurden mehr als 20 Gene identifiziert, deren Veränderungen das Syndrom auslösen können. Die Prävalenz liegt bei etwa 1 von 1000 bis 2500 Neugeborenen, Jungen und Mädchen sind gleichermaßen betroffen. Charakteristisch für alle RASopathien ist eine Überaktivierung des RAS/MAPK-Signalwegs. Diese Fehlregulation kann zu

  • Herzfehlbildungen,
  • Entwicklungs- und Wachstumsstörungen,
  • Fehlbildungen weiterer Organe sowie
  • zu einem erhöhten Krebsrisiko
    führen.

Klinische Merkmale und Krankheitsverlauf

Das klinische Erscheinungsbild des Noonan-Syndroms ist variabel. Häufig treten äußerliche Merkmale wie ein kurzer oder gefalteter Hals, tief angesetzte Ohren, Ptosis (hängende Augenlider), weit auseinanderliegende Augen oder Verkürzungen einzelner Finger auf. Die meisten Betroffenen entwickeln im Verlauf eine Kleinwüchsigkeit. Zusätzlich können Hörstörungen sowie leichte bis moderate kognitive Beeinträchtigungen auftreten. Besonders häufig sind angeborene Herzfehler, die eine frühzeitige kardiologische Betreuung erforderlich machen.

Bei der Geburt sind Körpergröße und Gewicht meist unauffällig. Bereits im ersten Lebensjahr verlangsamt sich jedoch das Wachstum deutlich, sodass sich die Kleinwüchsigkeit früh manifestiert. Auch das endokrine System ist häufig betroffen. Verzögerte Pubertätsentwicklung ist bei beiden Geschlechtern typisch. Jungen können einen Hodenhochstand oder unterentwickelte Hoden aufweisen und zeigen teilweise erniedrigte Testosteronspiegel sowie eingeschränkte Fruchtbarkeit. Bei Mädchen ist die Fertilität trotz verzögerter Pubertät in der Regel erhalten.

Wachstumshormontherapie als therapeutischer Ansatz

Seit den 1990er-Jahren wird die Wachstumshormontherapie beim Noonan-Syndrom eingesetzt. Mehrere klinische Studien konnten zeigen, dass eine frühzeitige Behandlung vor Beginn der Pubertät die Endkörpergröße signifikant verbessern kann. Die Therapie gilt als gut verträglich und zeigt nach bisherigen Erkenntnissen keine Verschlechterung bestehender Herzfehlbildungen. Dennoch werden während der Behandlung regelmäßige kardiologische Kontrollen empfohlen. Obwohl Betroffene ein erhöhtes Krebsrisiko aufweisen, gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass die Wachstumshormontherapie dieses Risiko zusätzlich steigert.

Behandlungsperspektiven bei RASopathien

Einzelne RASopathien zählen jeweils zu den seltenen Erkrankungen, zusammengenommen stellen sie jedoch eine der häufigeren genetischen Syndromgruppen dar. Trotz intensiver Forschung sind die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen bislang noch nicht vollständig verstanden, sodass kausale Therapien derzeit nicht zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund wurde der Forschungsverbund GeNeRARe (German Network for RASopathy Research) gegründet.

Ziel ist es, genetische Veränderungen systematisch zu erfassen und deren Auswirkungen auf den Signalweg besser zu verstehen. Eine zentrale genetische Datenbank ermöglicht inzwischen verbesserte Prognosemodelle, eine genauere Risikoabschätzung für Komplikationen sowie eine optimierte klinische Betreuung. Durch das bessere Wissen kann die diagnostische Genauigkeit sowie die Vorhersage zum Krankheitsverlauf und die klinische Behandlung optimiert werden, was eine Verbesserung für die Betroffenen bedeutet.

Heike Lachnit


Quellen:

  • MSD Manual: Noonan-Syndrom
  • Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: RASopathien: Auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten
  • Giuseppe Reynolds et al.; Update on the Clinical and Molecular Characterization of Noonan Syndrome and Other RASopathies: A Retrospective Study and Systematic Review; Int. J. Mol. Sci., 2025, DOI: 10.3390/ijms26083515
  • J. Dahlgren, C. Noordam; Growth, Endocrine Features, and Growth Hormone Treatment in Noonan Syndrome; Journal of Clinical Medicine, 2022, DOI: 10.3390/jcm11072034

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