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Ärztin hält Gebärmutter-Modell in der Hand

HPV-Infektionen gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Infektionen. © Liudmila Chernetska / iStock / Getty Images Plus

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Mehr Aufklärung nötig: Rückgang bei HPV-Impfungen

In den letzten Jahren gab es einen starken Rückgang bei den HPV-Impfungen. Letztes Jahr erhielten 25 Prozent weniger Kinder und Jugendliche diese Impfung gegen Krebs. Hier ist mehr Aufklärung notwendig, denn es handelt sich um einen wirksamen Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs.

Humane Papillomviren (HPV) werden sexuell übertragen und können Gebärmutterhalskrebs sowie Krebs an männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen, am After und im Mund-Rachen-Raum verursachen. Das Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) zählt weltweit zum vierthäufigsten Tumor bei Frauen und zu 95 Prozent ist HPV dafür verantwortlich.

HPV-Impfung für Jungen und Mädchen

Seit 2006 gibt es gegen diese Viren eine Impfung, welche die STIKO seit 2007 für Mädchen und seit 2018 auch für Jungen empfiehlt. Idealerweise sollten die Jugendlichen die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr erhalten, laut Empfehlung sollte die Impfung zwischen dem 9. und dem 14. Lebensjahr erfolgen. Die Impfung ist neben der Vorsorge und der Früherkennung eine gute Vorbeugung gegen HPV-bedingte Erkrankungen, die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung. Sie zählt zu einer der wenigen wirksamen Präventionsmaßnahmen für Krebserkrankungen. Daher ist es sehr bedauerlich, dass dieses Angebot nicht viel stärker in Anspruch genommen wird.

Zu niedrige Impfquoten

Jedes Jahr erkranken rund 4400 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, rund 1600 Frauen sterben daran. Neben dem eigenen Schutz schützt die Impfung auch die Sexualpartner und wird daher als effektiver Schutz eingeordnet. Dennoch weisen die Fachgesellschaften darauf hin, dass die Impfquote in Deutschland viel zu niedrig ist. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) gibt Auskunft über genaue Zahlen. Demnach sind nur 54 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 27 Prozent der gleichaltrigen Jungen vollständig gegen diese Viren geimpft, wobei es den stärksten Rückgang bei den Jungen gab.

„HPV-Infektionen gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Infektionen. Meist führen HPV-Infektionen nur zu gutartigen Warzen im Anal- und Genitalbereich. Aber es gibt auch sogenannte Hochrisiko-HPV-Typen, die zu Krebsvorstufen führen“, so Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI Gesellschaft – Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit (DSTIG). Zu diesen Hochrisiko-HPV-Typen zählen HPV16 und HPV18, welche die meisten Gebärmutterhalskrebs-Fälle verursachen. Die Impfung sollte vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen, ungeimpft können sich die Jugendlichen immer wieder mit den Viren anstecken.

HPV-Präventionsprojekte

Um wieder mehr Aufmerksamkeit auf diese krebsschützende Impfung zu lenken, besteht Einigkeit darüber, dass mehr Aufklärung erforderlich ist. Daher gründete sich 2013 die Stiftung Lebensblicke in der Region Rhein-Neckar, um für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren. Zusammen mit der Deutschen Krebsstiftung gibt es im Kreis Südliche Bergstraße das Modellprojekt „Freiwillige HPV-Schulimpfung“, bei der eine Aufklärungskampagne und anschließend die Impfung in den teilnehmenden Schulen durchgeführt werden. Durch die Aufklärung nicht nur der Schüler, sondern auch der Lehrer und Eltern konnte dort die Impfquote deutlich gesteigert werden. Dieses Projekt war so erfolgreich, dass sich im Anschluss die Allianz gegen HPV als Präventionsnetzwerk gründete.

Ein weiteres Projekt hat die Deutsche Krebsgesellschaft mit der ohhh! Foundation ins Leben gerufen. „Das HPV-Impfprojekt“ setzt auf eine Präventionsarbeit von Jugendlichen für Jugendliche. Die Vermittlung soll dort stattfinden, wo sich die Jugendlichen befinden, also in Schulen, Jugendeinrichtungen oder auch den sozialen Medien, wo eine Zusammenarbeit mit Influencern stattfindet.

Auch die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) ruft zu einer Impfung auf. „Der große Nutzen der HPV-Impfung muss Kindern und Jugendlichen, Eltern und auch Ärztinnen und Ärzten noch deutlicher gemacht werden“, sagte die Präsidentin der Fachgesellschaft, Julia Welzel. Zudem sollten Frauen trotz Impfung die empfohlenen, gynäkologischen Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen, da die Impfung nicht vor allen potenziellen onkogenen HPV-Typen schützt.

Heike Lachnit


Quellen:

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