Branche
on
Apothekerhand mit Latexhandschuh mit Affenpockenimpfstoff, mit Pockenvirusfoto im Hintergrund.

Mpox ist eine seltene Pockenvariante, die von Nagetieren stammt und sich seit 2022 zunehmend weltweit verbreitet. © RHJ / iStock / Getty Images Plus

| |

Infektionsschutz: Sind Mpox-Viren eine Gefahr für Deutschland und Europa?

Nach den ersten Nachweisen in Deutschland im Jahr 2022 hat sich Mpox in mehreren europäischen Ländern ausgebreitet. Spätestens seit dem großen Ausbruch 2024 beobachten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie das European Centre for Disease Prevention und Control (ECDC) die Entwicklung genau. In diesem Abschnitt geht es um die aktuelle Lage in Europa, die historische Einordnung und die Sicht der Fachleute auf die Lage.

Geschichte des Virus

Mpox ist eine seltene Variante der Pocken, hervorgerufen durch das umhüllte DNA-Virus Orthopoxvirus (auch Monkeypox virus). Die Viren wurden das erste Mal bei Affen nachgewiesen, der eigentliche Wirt sind jedoch Nagetiere. 1970 wurde das Virus erstmals in der Demokratischen Republik Kongo bei einem Säugling festgestellt. Seitdem kam es in West- und Zentralafrika immer wieder zu Infektionen.

Im Frühjahr 2003 trat die Krankheit erstmals außerhalb des afrikanischen Kontinentes auf, als infizierte Nagetiere aus Ghana in die USA gelangten und dort weitere Tiere und schließlich Menschen ansteckten. Bis 2022 kam es nur zu vereinzelten Fällen außerhalb von Afrika. Seit 2022 kommt es immer wieder zu Infektionen weltweit, darunter auch in Deutschland.

Es gibt zwei bekannte Virus-Varianten: den westafrikanischen Typ (Klade II) und den Typ des Kongobeckens (Klade I). Die meisten Fälle in Europa gehören zur Untergruppe Klade IIb, die vor allem durch engen, häufig sexuellen Kontakt, weitergegeben werden. Obwohl der Mensch ein sogenannter Fehlwirt ist, etablierten sich seit 2022 stabile Mensch-zu-Mensch-Übertragungen.

Aktuelle Situation in Europa

Am 14. August 2024 erklärte die WHO Mpox zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite. Dadurch können Maßnahmen in den betroffenen Ländern intensiviert und ausgeweitet werden in Bezug auf Impfstoffverfügbarkeit und Ausbau der diagnostischen Kapazitäten.

Genaue Zahlen gibt es durch das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), welches in seiner regelmäßigen Analyse vom 1. August 2025 den aktuellen Ausbruch beziffert. In Europa gibt es demnach knapp 25 000 Mpox-Fälle, mit den meisten Fällen in Spanien (8834), Frankreich (4508) und Deutschland (4441). Todesfälle gab es bisher in Spanien (4), Belgien (2), Portugal (2), Österreich (1) und Tschechien (1). Es breitet sich zudem in den Westbalkan-Staaten aus sowie in der Türkei. In einigen Fällen handelte es sich um Infektionen mit dem Mpox-Virus Klade I mit milden Verläufen. Bei diesen Fällen kam es häufig zu Infektionen im häuslichen Umfeld.

Die Mehrzahl der Fälle in Europa sind Infektionen mit dem Virus Klade IIb. Es überträgt sich hauptsächlich unter Männern, die sexuellen Kontakt miteinander haben. Nach der Bewertung des ECDC wird das Risiko in Europa insgesamt als gering erachtet, die Zahlen der Neuinfektionen bleiben niedrig und stabil.

Situation in Afrika und globale Bewertung

In Zentralafrika kam es 2024 zu einem starken Anstieg von Mpox-Fällen, vor allem durch Engpässe bei Medikamenten und Impfstoffen. Dort breitete sich die Variante Klade Ib mit Mensch-zu-Mensch-Übertragungen aus, was die WHO zur Ausrufung der Notlage veranlasste. Inzwischen greifen Impfprogramme und die Fallzahlen haben sich auf etwa 3000 pro Woche stabilisiert. In manchen Ländern wie Liberia und Guinea beginne der Mpox-Ausbruch laut WHO erst jetzt. Dort seien die Gesundheitssysteme durch das Ende der US-Hilfszahlungen geschwächt, aber die lokalen Behörden seien gewappnet.

Nach Einschätzung von RKI-Forscher Klaus Jansen bestehe für Europa jedoch keine akute Gefahr. Das Virus wird fast ausschließlich durch engen Kontakt übertragen und nicht über die Atemluft, was eine rasche, unkontrollierte Ausbreitung unwahrscheinlich macht. Zusammenfassend bleibt die Situation in Afrika besorgniserregend, während das Risiko für Europa aktuell als niedrig eingestuft wird.

Heike Lachnit


Quellen


Bleibe informiert: Jetzt Newsletter abonnieren »

Newsletter abonnieren

Newsletter Icon MTA Blau 250x250px

Erhalten Sie die wichtigsten MT-News und Top-Jobs bequem und kostenlos per E-Mail.

Mehr zum Thema

Eine Frau (Ansicht von hinten) arbeitet mit entsprechendem Werkzeug in einem Labor. Es sind einige Phiolen und Behältnisse mit Flüssigkeiten zu sehen.
3D-animierte Darstellung von Bakteriophagen (rot markiert).

Das könnte Sie auch interessieren

Ein Mann im Profil trinkt vor der Sonne aus einer Flasche Wasser.
Eine behandschuhte Hand, die Antibiotika in Pillenform hält sowie Petrischalen, die in Flüssigkeiten eine Antibiotikaresistenz nachweisen.
3D-animierte Darstellung von RSV.