Geschichte des Virus
Mpox ist eine seltene Variante der Pocken, hervorgerufen durch das umhüllte DNA-Virus Orthopoxvirus (auch Monkeypox virus). Die Viren wurden das erste Mal bei Affen nachgewiesen, der eigentliche Wirt sind jedoch Nagetiere. 1970 wurde das Virus erstmals in der Demokratischen Republik Kongo bei einem Säugling festgestellt. Seitdem kam es in West- und Zentralafrika immer wieder zu Infektionen.
Im Frühjahr 2003 trat die Krankheit erstmals außerhalb des afrikanischen Kontinentes auf, als infizierte Nagetiere aus Ghana in die USA gelangten und dort weitere Tiere und schließlich Menschen ansteckten. Bis 2022 kam es nur zu vereinzelten Fällen außerhalb von Afrika. Seit 2022 kommt es immer wieder zu Infektionen weltweit, darunter auch in Deutschland.
Es gibt zwei bekannte Virus-Varianten: den westafrikanischen Typ (Klade II) und den Typ des Kongobeckens (Klade I). Die meisten Fälle in Europa gehören zur Untergruppe Klade IIb, die vor allem durch engen, häufig sexuellen Kontakt, weitergegeben werden. Obwohl der Mensch ein sogenannter Fehlwirt ist, etablierten sich seit 2022 stabile Mensch-zu-Mensch-Übertragungen.
Aktuelle Situation in Europa
Am 14. August 2024 erklärte die WHO Mpox zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite. Dadurch können Maßnahmen in den betroffenen Ländern intensiviert und ausgeweitet werden in Bezug auf Impfstoffverfügbarkeit und Ausbau der diagnostischen Kapazitäten.
Genaue Zahlen gibt es durch das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), welches in seiner regelmäßigen Analyse vom 1. August 2025 den aktuellen Ausbruch beziffert. In Europa gibt es demnach knapp 25 000 Mpox-Fälle, mit den meisten Fällen in Spanien (8834), Frankreich (4508) und Deutschland (4441). Todesfälle gab es bisher in Spanien (4), Belgien (2), Portugal (2), Österreich (1) und Tschechien (1). Es breitet sich zudem in den Westbalkan-Staaten aus sowie in der Türkei. In einigen Fällen handelte es sich um Infektionen mit dem Mpox-Virus Klade I mit milden Verläufen. Bei diesen Fällen kam es häufig zu Infektionen im häuslichen Umfeld.
Die Mehrzahl der Fälle in Europa sind Infektionen mit dem Virus Klade IIb. Es überträgt sich hauptsächlich unter Männern, die sexuellen Kontakt miteinander haben. Nach der Bewertung des ECDC wird das Risiko in Europa insgesamt als gering erachtet, die Zahlen der Neuinfektionen bleiben niedrig und stabil.
Situation in Afrika und globale Bewertung
In Zentralafrika kam es 2024 zu einem starken Anstieg von Mpox-Fällen, vor allem durch Engpässe bei Medikamenten und Impfstoffen. Dort breitete sich die Variante Klade Ib mit Mensch-zu-Mensch-Übertragungen aus, was die WHO zur Ausrufung der Notlage veranlasste. Inzwischen greifen Impfprogramme und die Fallzahlen haben sich auf etwa 3000 pro Woche stabilisiert. In manchen Ländern wie Liberia und Guinea beginne der Mpox-Ausbruch laut WHO erst jetzt. Dort seien die Gesundheitssysteme durch das Ende der US-Hilfszahlungen geschwächt, aber die lokalen Behörden seien gewappnet.
Nach Einschätzung von RKI-Forscher Klaus Jansen bestehe für Europa jedoch keine akute Gefahr. Das Virus wird fast ausschließlich durch engen Kontakt übertragen und nicht über die Atemluft, was eine rasche, unkontrollierte Ausbreitung unwahrscheinlich macht. Zusammenfassend bleibt die Situation in Afrika besorgniserregend, während das Risiko für Europa aktuell als niedrig eingestuft wird.
Heike Lachnit
Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit: Informationen zum Mpox-Virus
- Robert Koch Institut: Mpox (früher Affenpocken)
- European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC): Communicable Disease Threats report 26.Juli -01. August 2025
- Caitlin Pley et al.; Clade I mpox vaccination: strategies for deployment and evaluation; eBioMedicine, September 2025, DOI: 10.1016/j.ebiom.2025.105890
- Frankfurter Rundschau: Mpox-Variante breitet sich rasch aus: Experten warnen vor Pandemie-Risiko
- Deutschlandfunk: MPox: Warum das Pandemie-Risiko gering ist






