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Wasserhahn mit Abbildung von Cholera-Erreger.

1854 wurde der Cholera-Erreger Vibrio cholerae in verunreinigtem Trinkwasser in London nachgewiesen. © Dr_Microbe / iStock / Getty Images Plus

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Cholera: Von Indien in die ganze Welt

Obwohl Cholera leicht zu behandeln ist, sterben laut WHO bis zu 143 000 Menschen jedes Jahr daran. Aktuell gibt es weltweit so viele Ausbrüche wie noch nie und es herrscht ein Mangel an Impfstoffen. Doch was ist Cholera überhaupt und wie kann die Infektionskrankheit behandelt werden?

Bei Cholera handelt es sich um eine Durchfallerkrankung, welche sich im 19. Jahrhundert von ihrem natürlichen Reservoir im Ganges-Delta über die ganze Welt ausbreitete. Verursacher der Erkrankung ist das Bakterium Vibrio cholerae. Aufgenommen durch verschmutztes Trinkwasser oder durch das Essen verunreinigter Nahrung, gelangt das Bakterium in den Darm.

Dort bildet es das Exotoxin Choleratoxin, welches wässrigen Durchfall und starkes Erbrechen auslöst. Dies führt zu einer Exsikkose (Dehydratation) und Elektrolytverlust, welche unbehandelt zum Kollaps des Körpers bis hin zum Tod führen können.

Vibrio cholerae als Erreger der Cholera

1854 beschrieb der Italiener Filippo Pacini das Bakterium als gekrümmtes, kommaförmiges, hochbewegliches Bakterium. Die Bewegung wird durch eine Geißel verursacht, welche für die Fortbewegung verantwortlich ist. 1884 konnte Robert Koch zusammen mit Bernhard Fischer und Georg Gaffky aus dem Darm verstorbener Patienten das Bakterium gewinnen und in Reinkultur züchten.

Aufgrund der kommaförmigen Struktur nannte Koch das Bakterium auch „Kommabazillus“. Er konnte beweisen, dass das Bakterium ausgeschieden wird und über Wasser übertragen werden kann. Im Jahr 2000 konnte das Genom des Bakteriums vollständig sequenziert werden. Das Bakterium ist gramnegativ und fakultativ anaerob, das bedeutet, es kann mit sowie ohne Sauerstoff leben.

Verbreitung von Cholera

Inzwischen kommt Cholera weltweit vor, besonders vertreten ist die Krankheit auf dem indischen Subkontinent, in Zentralafrika sowie in Süd- und Zentralamerika. Die WHO schätzt, dass weltweit jährlich bis zu fünf Millionen Cholera-Fälle auftreten. In den Industrieländern kommt die Erkrankung nur vereinzelt vor, wenn sie nach einer Reise eingeschleppt wird. In Deutschland ist eine Cholera-Erkrankung meldepflichtig.

Ihren Ursprung hat Cholera in Indien im Ganges-Delta. Dort war die Krankheit endemisch, das heißt, sie trat in der Region begrenzt immer wieder auf. Bis ins 18. Jahrhundert war die Krankheit auf anderen Kontinenten unbekannt. Eine erste Pandemie gab es zwischen 1817 und 1824 in Asien, Ostafrika, Russland und Teilen Europas.

1830/31 trat sie in Ungarn und Österreich auf und breitete sich bis nach Deutschland aus. 1854 wurde der Erreger in verunreinigtem Trinkwasser in London nachgewiesen. Dieser Nachweis gilt als Geburtsstunde der modernen Epidemiologie.

Eine der schwersten Cholera-Epidemien gab es 1892 in Hamburg, bei der über 8600 Menschen starben. 2017 wurde eine globale Strategie zur Bekämpfung von Cholera ins Leben gerufen. Aktuell wird von der siebten Cholera-Epidemie gesprochen, die ihren Ursprung 1961 in Südasien hatte, 1971 Afrika erreichte und 1991 Amerika. In vielen Ländern ist Cholera heute endemisch.

Krankheitsverlauf und Symptome

Wer kontaminiertes Trinkwasser oder Nahrung zu sich genommen hat, zeigt innerhalb von zwölf Stunden bis fünf Tagen Krankheitssymptome. Kinder und auch Erwachsene können erkranken, ohne Behandlung kann die Infektion innerhalb von Stunden tödlich sein. Die Erkrankten haben dann schwere, wässrige Durchfälle, auch Reisdurchfall genannt.

Nicht alle Menschen erkranken schwer, manche zeigen keine Symptome. Doch sie können die Bakterien bis zu zehn Tage nach der Infektion über den Stuhl wieder abgeben und dadurch andere Menschen infizieren. Bekämpfung der Cholera Um die Cholera zu bekämpfen, kommt ein Mix an Maßnahmen zum Einsatz.

Zum einen geht es um den Zugang zu sauberem Trinkwasser und die Umsetzung von Hygienemaßnahmen. Zum anderen um eine enge Kontrolle, falls Cholera-Erkrankungen auftreten. Es ist wichtig, Ausbrüche schnell zu erkennen und darauf zu reagieren. Erkrankte werden mit Rehydratationslösung und teilweise mit Antibiotika behandelt. Zur Prophylaxe gibt es einen oralen Cholera-Impfstoff.

Heike Lachnit


Quellen:

  • World Health Organization (WHO) Fact Sheet Cholera
  • N.Howard Jones. Robert Koch and the cholera vibrio: a centenary. Br Med J (Clin Res Ed). 4. Februar 1984; 288(6414): 379–381. doi: 10.1136/bmj.288.6414.379
  • Ärzte ohne Grenzen

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