Der menschliche Körper besteht zu über der Hälfte aus Flüssigkeit. Diese dient unter anderem als Wärmeregulator sowie als Transport- und Lösungsmittel. Gleichzeitig verliert der Körper bei normaler Belastung in einem gemäßigten Klima täglich rund 2,5 Liter Wasser über Haut, Atmung und Urin. Dieses Defizit muss durch Flüssigkeitsaufnahme ausgeglichen werden, andernfalls droht Dehydratisierung.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 1,5 bis 2 Liter über den Tag verteilt zu trinken. Die genaue Menge und Frequenz hängen dabei von individuellen Faktoren wie Alter, Klima oder körperlicher Belastung ab. Ein körpereigenes Regulationssystem schützt normalerweise vor einem versehentlichen Wassermangel: Das Peptidhormon ADH (antdiuretisches Hormon) sorgt für konzentrierten Harn, Signale wie dunkler Urin oder Kopfschmerzen weisen auf ein Defizit hin.
Gefahr der Überwässerung
Während sich die meisten Menschen – insbesondere im Sommer oder bei körperlicher Anstrengung – vor einer Dehydratisierung fürchten, besteht auch die Gefahr einer übermäßigen Wasseraufnahme. Ein Überschuss an Flüssigkeit kann den Stoffwechsel und Mineralhaushalt stören.
Werden in kurzer Zeit übermäßige Mengen an Wasser aufgenommen, wird von einer Wasservergiftung gesprochen, die durch einen zu niedrigen Natriumspiegel im Blut gekennzeichnet ist. Der Fachbegriff hierfür lautet Hyponatriämie.
Fallberichte mit klinischer Relevanz
Obwohl Wasservergiftungen bei Erwachsenen äußerst selten sind, gibt es dokumentierte Fälle. So verstarb 2007 die 28-jährige Jennifer Strange bei einem von einem kalifornischen Radiosender veranstalteten Wasser-Wett-Trinken, vermutlich nach der Aufnahme von fast acht Litern innerhalb von drei Stunden.
Kurz zuvor wurde in Deutschland eine Patientin mit zunehmender Bewusstseinstrübung nach zerebralen Krampfanfällen in eine Klinik gebracht. Nach der versehentlichen Einnahme größerer Mengen eines Entkalkers, erbrach sie sich und trank sofort darauf mehrere Liter Wasser zur „Entgiftung“. Auch sie erlitt eine schwere Wasservergiftung, konnte jedoch erfolgreich behandelt werden.
Pathophysiologie der Hyponatriämie
Unter Medizinern ist die Wasservergiftung beziehungsweise Hyponatriämie ein bekanntes Problem. Große Wassermengen verdünnen das Blut und stören den Salzhaushalt des Körpers. Werden innerhalb kurzer Zeit sehr große Mengen hypotonischer Flüssigkeit konsumiert, steigt das Risiko. Damit sind Flüssigkeiten gemeint, die eine niedrigere Konzentration an gelösten Stoffen wie Natrium oder Kalium haben als das Zellinnere oder das Blut. Typische Beispiele sind Leitungs- und Mineralwässer sowie Tee.
Da diese Flüssigkeiten wenige gelöste Stoffe enthalten, reduziert sich das Volumen, das die Nieren maximal ausscheiden können. Übersteigt die Aufnahme die Ausscheidungskapazität, verbleibt Wasser im Körper und verdünnt die absolute Natriummenge im Blut. Diese Form der Hyponatriämie wird als hypervolämische Hyponatriämie bezeichnet und stellt die zentrale pathophysiologische Veränderung dar.
Symptome einer Wasservergiftung
Durch den gestörten Natrium- und Kaliumhaushalt verschiebt sich Wasser auf zellulärer Ebene durch Osmose vom extrazellulären in das intrazelluläre Milieu. Die Zellen nehmen mehr Flüssigkeit auf als sie abgeben können und schwellen an. Besonders empfindlich reagieren Gehirnzellen, da die Ausdehnung des Gehirns durch den Schädel begrenzt ist.
Die Symptome einer beginnenden Wasservergiftung sind zunächst unspezifisch:
- Kopfschmerzen,
- Übelkeit,
- Schwindel,
- Konzentrations- oder leichte Bewusstseinsstörungen.
In fortgeschrittenen Stadien können Nierenversagen, Herzrhythmusstörungen oder ein Hirnödem auftreten.
Prävention im Alltag
Im Alltag besteht in der Regel kein Risiko für eine Wasservergiftung. Eine vorbeugende Maßnahme ist die Orientierung an der empfohlenen Trinkmenge von 1,5 bis 2 Litern pro Tag. Das heißt, es soll nicht über den Durst getrunken werden.
Gesunde Erwachsene entwickeln hypervolämische Hyponatriämien nur selten, und wenn dann durch kurzfristige Aufnahme großer Mengen hypotonischer Flüssigkeiten. Meist liegen zusätzliche Risikofaktoren vor, wie hormonelle Erkrankungen, medikamentöse Therapie oder Drogenkonsum.
Besonders gefährdete Personen
Ein erhöhtes Risiko besteht zudem bei Extremsportlern, insbesondere Marathonläufern. Durch Schweißverlust geht Natrium verloren und die körperliche Belastung verändert die Hormonsekretion. Ein Läufer verliert pro Stunde zwischen 0,5 und 1,5 Liter Wasser sowie bis zu drei Gramm Natrium.
Vor allem im Amateurbereich wird aber häufig über den Durst getrunken, aus Angst vor Dehydratisierung. So starb 2015 ein 30-jähriger Triathlet nach dem Frankfurter Ironman an den Folgen einer Wasservergiftung.
Therapeutische Maßnahmen
Die therapeutische Maßnahme besteht darin, Natrium und Mineralstoffe rasch zuzuführen. Nur die sofortige Gabe von Kochsalz – oral oder intravenös als hypertonische Lösung – kann den osmotischen Druck im extrazellulären Raum schnell normalisieren.
Wasser verschiebt sich vom intrazellulären in den extrazellulären Raum, die Gehirnschwellung nimmt ab und in den folgenden Stunden scheiden die Nieren überschüssiges Wasser über den Harn aus.
Katja Löffler
Quellen
- Barmer: Kann man zu viel Wasser trinken?
- Das Erste. W wie Wissen: Wasservergiftung
- Universitätsklinikum Freiburg: Lebensgefahr durch übermäßiges Trinken im Vergiftungsfall
- BFB Institut: Grundlagenwissen zur Wasservergiftung
- Prof. Klaus Roth; Dehydrierung: Die Angst geht um; Chemie in unserer Zeit, Oktober 2014, DOI: 10.1002/ciuz.201400688






