Zwei wissenschaftliche Arbeiten aus dem Jahr 2025 unterstreichen diese Entwicklung. Sie zeigen, dass Ernährung, Bewegung und ein insgesamt aktiver und gesundheitsbewusster Lebensstil wichtige Ansatzpunkte für die Erhaltung und Förderung der kognitiven Gesundheit sein können. In einer weiteren sehr aktuellen Studie geht es darum, welche körperlichen Bewegungen das Risiko verringern können, an Demenz zu erkranken.
Ausgewogene Ernährung und körperliche Aktivitäten
Die Autoren rund um Mahdi Esmaeilzadeh haben den bisherigen Forschungsstand betrachtet und fassen diesen in einem Editorial zusammen. Sie konzentrieren sich nicht auf eine bestimmte Ernährungsweise oder eine bestimmte sportliche Aktivität, sondern betrachten den Effekt von Ernährung und Bewegung insgesamt auf die Hirngesundheit. Sie schlussfolgern aus allen Studien, dass eine ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige Bewegung wahrscheinlich eine zentrale Rolle für die langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Gehirns spielen. Dabei haben Ernährung und Bewegung wohl einen positiven Einfluss auf die Neuroplastizität, also die Eigenschaft des Gehirns, sich strukturell und funktionell an die äußeren Bedingungen anzupassen.
Steigerung der Leistungsfähigkeit
Noch genauere Rückschlüsse konnte das Team um Laura D. Baker mit ihrer US-POINTER-Studie ziehen. Die Forschenden konnten anhand einer großen Kohorte von 2111 Menschen zwischen 60 und 79 Jahren zeigen, dass sich bei älteren Menschen mit einem erhöhten Risiko für kognitiven Abbau die kognitiven Leistungen über zwei Jahre signifikant verbessen können.
Die Probanden wurden in zwei Gruppen unterteilt. Die eine Gruppe erhielt ein strukturiertes, intensiv begleitetes Programm zu den Bereichen Bewegung, Ernährung, kognitives Training, soziale Aktivität und Gesundheitskontrollen. Die zweite Gruppe ging diese Themen in Eigenverantwortung an. Die Verbesserung zeigte sich in beiden Gruppen, wobei die Verbesserungen in der angeleiteten Gruppe signifikant größer waren.
Großstudie zu Demenz und Bewegung
Ganz frisch publiziert in The Lancet Public Health ist eine groß angelegte Arbeit vom Team um Nathan Feter, welche aufzeigt, dass nicht jede Bewegung das Gehirn auch vor Demenz schützt. Es ist bereits seit vielen Jahren bekannt, dass durch körperliche Aktivität das Demenzrisiko gesenkt werden kann. In dieser Metaanalyse mit Daten von über 4,2 Millionen Erwachsenen aus über zehn Jahren, zeigt sich, dass nicht immer das große Sportprogramm nötig ist, um das Gehirn gesund zu halten, sondern dass Bewegung grundsätzlich zum Lebensstil dazugehören sollte.
Daher sollte sich niemand die Frage stellen, wie viel Sport er machen sollte, sondern wie viel Bewegung in den Alltag integriert werden kann. Senkenden Einfluss auf das Demenzrisiko hatten auch alltägliche Bewegungen wie Gehen, Radfahren und Schwimmen. Körperliche berufliche Aktivitäten standen jedoch im Zusammenhang mit der Zunahme des Demenzrisikos. Hierbei kommen die beruflichen Umgebungen hinzu, die nicht immer förderlich für die Gesundheit sind, wie Luftverschmutzung, Stressfaktoren oder auch psychosoziale Belastungen. Unter diesen Bedingungen zeigte sich ein um 20 Prozent höheres Risiko für eine Demenzerkrankung.
Was wir für unser Gehirn tun können
Die drei Arbeiten zeichnen trotz ihrer unterschiedlichen wissenschaftlichen Ansätze ein gemeinsames Bild. Die Gehirngesundheit lässt sich nicht isoliert betrachten. Sie steht in engem Zusammenhang mit unserem gesamten Lebensstil. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, geistige Anregung und soziale Kontakte können wichtige Bausteine dafür sein, die kognitive Leistungsfähigkeit möglichst lange zu erhalten.
Dabei geht es nicht darum, ein aufwendiges Gesundheitsprogramm zu absolvieren. Vielmehr scheint entscheidend zu sein, gesundheitsfördernde Gewohnheiten dauerhaft in den Alltag zu integrieren. Bewegung muss dabei nicht immer mit intensivem Training gleichgesetzt werden, sondern kann auch aus alltäglichen Aktivitäten bestehen. Die Forschung macht zunehmend deutlich, dass wir die Gehirngesundheit nicht vollständig dem Zufall überlassen müssen.
Heike Lachnit
Quellen:
- Esmaeilzadeh M, Moradikor N. Nutrition & exercise for brain health: Enhancing cognitive function and neuroplasticity. Adv Clin Exp Med. 2025;34(9):1419–1423. doi:10.17219/acem/208533
- Baker LD, Espeland MA, Whitmer RA, et al. Structured vs Self-Guided Multidomain Lifestyle Interventions for Global Cognitive Function: The US POINTER Randomized Clinical Trial. JAMA. 2025;334(8):681–691. doi:10.1001/jama.2025.12923
- Feter N, Iso-Markku P, Markarian T et al.; Domain-specific physical activity levels and risk of dementia: a systematic review and meta-analysis; The Lancet Public Health, 11, e650-e664






