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Blutkrebszellen

Die Rückfallrate kann je nach Art der Leukämie erheblich variieren. © Dr_Mircobe / iStock / Getty Images Plus

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Blutkrebs: Genmutation beeinflusst Wirksamkeit der CAR T-Zell-Therapie

Die Diagnose Krebs ist ein schockierender Wendepunkt im Leben der Betroffenen. Besonders dramatisch ist jedoch die Diagnose Blutkrebs. Zwar sind heute die Heilungschancen gut, doch kann es zu Rückfällen kommen. Forschende um Thorsten Zenz arbeiten intensiv daran, das Risiko eines Rezidivs zu senken.

Die aktuellen Zahlen der Krebsliga sprechen eine deutliche Sprache: Jährlich erkranken in der Schweiz gut 1200 Menschen an Blutkrebs (Leukämie), das entspricht 2,7 Prozent aller Krebskrankheiten. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen (60 gegenüber 40 Prozent). Bei Kindern sind Leukämien die häufigste Krebsart.

Fehlentwicklung von Blutzellen

Über die genauen Ursachen von Leukämien weiß man heute wenig. Man weiß aber, dass bei einem gesunden Menschen Blutzellen in genau der Menge gebildet werden, die der Körper benötigt. Bei einer Leukämie jedoch sind die Vorläuferzellen der roten und weißen Blutkörperchen oder der Blutplättchen nicht vollständig entwickelt, trotzdem vermehren sie sich im Blut und blockieren Funktionen der gesunden Blutzellen.

Thorsten Zenz, UZH-Professor für Hämatologie, behandelt am Universitätsspital Zürich Patient:innen mit Blutkrebs und Lymphomen. Bei einem Lymphom kommt es zu einem unkontrollierten Wachstum der weißen Blutkörperchen, den sogenannten Lymphozyten. Zenz kann bei seinen Patient:innen auf moderne Therapien zurückgreifen. „Die Prognose für Ersterkrankte ist heute viel besser als früher“, sagt der Mediziner.

Breites Behandlungsspektrum

Für Kinder oder Erwachsene gibt es ein breites Behandlungsspektrum – von der intensiven Chemotherapie als Standardmethode bis hin zu neuartigen Krebsimmuntherapien, wie der Stammzellentransplantation oder der CAR-T-Zell-Therapie (Chimeric Antigen Receptor). „Dank dieser Therapien haben sich die Behandlungsergebnisse für die Patientinnen und Patienten stark verbessert. Viele verlassen geheilt unsere Klinik“, berichtet Zenz.

Und doch beschäftigt den Mediziner ein wiederkehrendes Problem: Bei einigen Patient:innen wirkt die Behandlung nicht oder die Krebserkrankung kehrt nach einer gewissen Zeit zurück. Die Rückfallrate kann je nach Art der Leukämie erheblich variieren. Um genauer zu verstehen, warum einige Patient:innen gut auf die Therapie ansprechen und andere nicht, rief Thorsten Zenz vor drei Jahren das Forschungsprojekt „INTeRCePT“ ins Leben.

Bösartige Lymphgeweberkrankungen

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Forschungskonsortium, darunter: Burkhard Becher (UZH), Nico Beerenwinkel (ETHZ), Jean-Pierre Bourquin (KISPI/UZH), Wolfgang Huber (EMBL), Andreas Moor (ETHZ), Berend Snijder (ETHZ) und Stefanie Kreutmair (USZ/UZH), untersuchen primär die Non-Hodgkin-Lymphome. Das sind bösartigen Erkrankungen des Lymphgewebes. Die Lymphknoten sind bei dieser Krankheit am häufigsten betroffen, aber auch andere Organe wie Lunge, Leber, Knochenmark oder Milz können – vor allem in fortgeschrittenen Krankheitsstadien – befallen sein.

Die Forschenden wollen besser verstehen, welche Medikamente oder Therapien bei wem am besten wirken und somit die Rückfälle eindämmen. „Wir wissen zum Beispiel nicht genau, wie die Zellen eines Lymphoms strukturiert sind, und welche Therapie sie am besten bekämpft“. INTeRCePT ist darauf ausgerichtet, die individuellen Voraussetzungen der Betroffenen zu berücksichtigen und folgt damit dem Ansatz der Präzisionsmedizin.

Klinische Studie im Sommer 2024

In der Forschungsstudie eingeschlossen sind Patient:innen, die auf die erste Behandlung nicht ansprachen oder deren Krankheit rezidiviert. Das Projekt INTeRCePT ist auf fünf Jahre angelegt. In den ersten drei Jahren lag der Schwerpunkt auf der Grundlagenforschung, bevor jetzt im Sommer 2024 die klinische Studie startet. Bisher wurden im Labor Gewebe- und Blutproben analysiert. Dabei testeten die Forschenden verschiedene Medikamente und wie sie auf das Gewebe wirken.

Die Analyse erfolgte bis auf Einzelzellebene. „Die ersten drei Jahre haben wir eine möglichst große Menge an Daten generiert und über 200 Patienten in die Studie aufgenommen“, sagt Zenz und erklärt, wie wichtig den Forschenden auch der Faktor Zeit war. „Wir haben getestet, wie schnell die Immunzellen und die Tumorzellen auf Medikamente reagieren“.

Den Rückfall einschätzen

In einer Folgestudie, die ebenfalls in diesem Sommer startet, wird Zenz und seine Forschungsgruppe mit Hochrisikopatienti:nnen arbeiten, die eine CAR-T-Zell-Therapie und zusätzliche Behandlungen bekommen. Geplant ist diese randomisierte Studie mit 50 Patienten, wobei 25 Patient:innen die Standardtherapie erhalten; die anderen 25 bekommen eine auf sie gemünzte Risikoeinschätzung und dann – gegeben falls – auch eine entsprechende Therapie, aufgrund der Zellanalysen.

„Dahinter steckt eine hochkomplexe Diagnostik, die uns hilft, den richtigen Mix aus Medikamenten und Behandlungen zusammenzustellen und auch für die Zukunft zu lernen, in welchen Fällen die Gefahr eines Rückfalls besteht und in welchen Fällen nicht“, sagt Zenz. Die Wissenschaftler:innen werden Datenanalysen erstellen und eine detaillierte Landkarte der Arzneimittelantwort auf Einzelzellebene zeichnen. Daraus können sie in Zukunft ein breiter anwendbares Verfahren zur Therapie des Blutkrebses ableiten. Ziel ist es, die Ansprechrate um 50 Prozent zu erhöhen.

Quelle: Universität Zürich

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