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Abbildung Bauchspeicheldrüse

Mit den neuen Erkenntnissen zu Mikrobiom und der akuten Pankreatitis können zukünftig neue Therapieansätze für Betroffene möglich werden. © TefiM / iStock / Getty Images Plus

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Europaweite Studie: Darmmikrobiom als Schlüssel zur Prognose schwerer Pankreatitis

Forschende der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben in einer Studie unter Einbezug von 15 Pankreaszentren herausgefunden, dass die mikrobielle Zusammensetzung des Darmes den Krankheitsverlauf der schweren akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung beeinflusst. Anhand der Veränderungen des Darmmikrobioms Betroffener konnte ein Vorhersagemodell entwickelt werden, um den Schweregrad der Pankreatitis vorauszusagen. Die Ergebnisse könnten zu neuen Behandlungsstrategien beitragen.

Die schwere akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, auch Pankreatitis genannt, ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die einer hochspezialisierten fachübergreifenden Behandlung bedarf. Sie wird in vielen Fällen durch Gallensteinleiden oder erhöhten Alkoholkonsum ausgelöst. Selten können auch Medikamente, Fettstoffwechselstörungen, Autoimmun- oder Viruserkrankungen die Ursache sein.

Meistens verläuft die äußerst schmerzhafte Erkrankung mild und die Patienten und Patientinnen können nach wenigen Tagen wieder aus der Klinik entlassen werden. In zirka 20 Prozent der Fälle zeigt sich jedoch ein schwerer, potenziell lebensbedrohlicher Verlauf mit Organversagen und Komplikationen wie zum Beispiel inneren Blutungen, verursacht durch die entzündungsbedingte Zerstörung von Organen oder Blutgefäßen.

Auslösende Faktoren und Mechanismen für einen schweren Verlauf der Erkrankung sind bisher unzureichend geklärt, wodurch sich keine Therapieansätze in der Frühphase der Erkrankung ableiten lassen, die den Verlauf und den Schweregrad entscheidend beeinflussen könnten.

Entwicklung eines Vorhersagemodells

Nachwuchswissenschaftler Dr. Christoph Ammer-Herrmenau und Oberarzt Prof. Dr. Dr. Albrecht Neeße, beide tätig in der Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie und Endokrinologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), haben in einer europaweiten Studie unter Einbezug von 15 Pankreaszentren die Rolle des Darmmikrobioms, einer komplexen Lebensgemeinschaft aus Billionen von Mikroorganismen, in Zusammenhang mit dem Schweregrad der akuten Pankreatitis untersucht.

Anhand der Veränderungen des Mikrobioms bei 424 Patienten und Patientinnen mit akuter Pankreatitis konnte ein Vorhersagemodell entwickelt werden, das eine bisher nicht vorhandene Genauigkeit erreichte, um den Schweregrad der Erkrankung vorauszusagen. Die Ergebnisse zeigen, dass frühe Veränderungen des Darmmikrobioms deutlich mit dem späteren Schweregrad der Pankreatitis, der Sterblichkeit und der Krankenhausverweildauer der Patienten und Patientinnen zusammenhängen.

Weiterführende bioinformatische Analysen zeigten zudem, dass möglicherweise mikrobielle kurzkettige Fettsäuren eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer schweren, lebensbedrohlichen Pankreatitis spielen könnten.

Quelle: Universitätsmedizin Göttingen


Originalpublikation: Neesse A. et al.; Gut microbiota predicts severity and reveals novel metabolic signatures in acute pancreatitis; Gut., 2023; DOI: 10.1136/gutjnl-2023-330987

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