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Diagnose Krebs bei jungen Menschen

Die Diagnose Krebs bedeutet für junge Menschen eine mehrfache existenzielle Bedrohung – nicht nur gesundheitlich, sondern auch finanziell und sozial. © xrender / iStock / Thinkstock

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Existenzielle Bedrohung: Diagnose Krebs bei jungen Menschen

Pro Jahr erkranken ca. 15.000 junge Frauen und Männer im Alter von 18 bis 39 Jahren an Krebs. Dabei werden die jungen Erwachsenen mit weit mehr als den unmittelbaren medizinischen Problemen konfrontiert. Es entstehen besondere soziale und finanzielle Problemlagen, das Armutsrisiko ist signifikant erhöht. Im Rahmen der 7. Berliner Stiftungswoche diskutierten Experten, Politiker und Patienten dieses Thema in Berlin.

„Die Krebserkrankung nahm mir die Kontrolle über meine Zukunft“, fasste eine junge Patientin auf der Podiumsdiskussion zum Thema „Jung, an Krebs erkrankt und von Armut bedroht?“ der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs ihre Situation zusammen.

„Die diesjährige Stiftungswoche steht unter dem Motto ‚Von der Würde des Menschen‘. Warum machen wir mit? Junge Krebspatienten geraten schnell in soziale und finanzielle Schieflagen. Lücken und Härten im Gesundheitssystem, der Abbruch von Ausbildung, Beruf oder Studium, all das kann schnell zu einer tatsächlichen Verarmung führen“, erklärt Prof. Dr. med. Mathias Freund, Kuratoriumsvorsitzender der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs.

Dabei, so Freund, sei Armut nie nur eindimensional. Armut hat existentielle Folgen und kann darüber hinaus aber auch zu sozialer Ausgrenzung führen. „Und wenn wir von Armut sprechen, müssen wir auch von Würde reden“, so Freund weiter. Die Stiftung beteiligte sich auch in diesem Jahr an der nunmehr 7. Berliner Stiftungswoche. Mehr als 100 in der Hauptstadt ansässige Stiftungen machten mit verschiedenen Veranstaltungen und Projekten auf ihr nachhaltiges und wirkungsvolles bürgerschaftliches Engagement aufmerksam.

Zusätzliche Herausforderungen für die Erkrankten

„Erkrankte sollten sich zunächst ausschließlich ihrer Heilung widmen können und sich nicht Gedanken über soziale und berufliche Stigmatisierung oder wirtschaftliche Schwierigkeiten machen müssen. Dies bedingt verstärkt auch psychoonkologische Betreuungsangebote sowie Unterstützungshilfen, z.B. in berufs-, kranken- und rentenrechtlichen Fragen.", sagt Bundestagsabgeordneter Sorge.

„Gleichzeitig müssen Forschungsanstrengungen, aber auch unsere sozialen Sicherungs- und Informationssysteme, junge Krebserkrankte stärker in den Fokus rücken. Über die psychischen und physischen Belastungen hinaus, stellt eine Krebserkrankung junge Patienten gerade im Hinblick auf die familiäre und berufliche Lebensplanung vor zusätzliche Herausforderungen. Wir brauchen neben einer offensiveren öffentlichen Debatte umfassendere Unterstützungsangebote für diese Patientengruppe."

Die Diagnose Krebs bedeutet für junge Menschen eine mehrfache existenzielle Bedrohung, nicht nur gesundheitlich, sondern auch finanziell und sozial. Die Auswirkungen der durch die Krebserkrankung erzwungenen Unterbrechung von Ausbildung oder Studium spielen eine sehr große Rolle. Das Bedürfnis, nach der Erkrankung in den Arbeitsmarkt zurückzukehren oder überhaupt erst aufgenommen zu werden, ist immens.

Rückkehr in den Arbeitsmarkt schwierig

„Wenn man vorher nicht schon ausgebildet war oder gearbeitet hat und damit mindestens zwei Jahre in die Rentenversicherung einzahlte, ist man ziemlich ‚aufgeschmissen‘. Und der Weg zurück zu den Eltern fällt vielen schwer, wenn er überhaupt möglich ist. Sollte man vor dem Studium schon in die Rente eingezahlt haben, scheuen sich viele, diese zu beantragen, da bei einem positiven Krankheitsverlauf die Rückkehr in den Arbeitsmarkt deutlich schwieriger ist“, betont ein junger Patient aus eigener Erfahrung.

In der Podiumsdiskussion wurde auch das bundesweit einzigartige JUNGE KREBSPORTAL der Stiftung, das im November 2015 eröffnet wurde, präsentiert. Sozialmediziner bieten den jungen Betroffenen im Online-Chat, telefonisch oder im persönlichen Gespräch schnelle, unkomplizierte, kompetente und kostenlose Antworten auf Fragen aus ihrem privaten und beruflichen Alltag im Umfeld der Krebserkrankung.

„Zu den Problemen und besonderen Bedürfnissen von jungen Erwachsenen mit Krebs gibt es in Deutschland viel zu wenig systematische Untersuchungen. Daher wird die Stiftung hier Pionierarbeit leisten, die Forschung in diesem Bereich fördern und so die überfälligen gesundheitspolitischen Debatten anstoßen. Wir werden konkrete Forderungen aufstellen und so dazu beitragen, bestehende Versorgungslücken zu schließen“, erklärt Freund.

Quelle: Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs

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