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Die große Unbekannte am Ausbildungsmarkt

Der Bedarf an MTA ist groß, doch noch immer ist der Ausbildungsberuf nicht bekannt genug. © marchmeena29 / iStock / Getty Images Plus

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Berufsbild MTA: Die große Unbekannte am Ausbildungsmarkt

Angesichts zahlreicher offener MTA-Fachkräftestellen, die nicht besetzt werden können (lt. Deutschem Krankenhausinstitut 1170 Vollzeitpositionen, Stand 2019), stellt sich die Frage, ob die für das Gesundheitssystem wichtige Berufssparte „Medizinisch-technische Assistenten/-innen“ unter Schulabgängern bekannt und attraktiv genug ist.

Schon seit geraumer Zeit arbeitet der Dachverband für Technologen/-innen und Analytiker/-innen in der Medizin Deutschland e. V. (DVTA) an einer Reform des Ausbildungs-Gesetzes, die nun auf den Weg gebracht worden ist (vgl. Kabinettsbeschluss zum MTA-Reformgesetzesentwurf vom 23.09.2020). Teilakademisierung, Schulgeldfreiheit, Finanzierung über § 17 a Krankenhausfinanzierungsgesetz für alle Ausbildungseinrichtungen und weitere Verbesserungen konnten erreicht werden, bundeseinheitliche Regelungen zur Qualitätssicherung wiederum noch nicht. Voraussichtlich am 01.01.2023 soll das Gesetz in Kraft treten.

Corona bringt den MTA-Beruf in die Medien

Gerade angesichts der Corona-Pandemie ist der MTA-Zweig Laboratoriumsmedizin derzeit gefordert wie nie. Für die Erhöhung der Bekanntheit ist diese Präsenz in den Medien wertvoll. Um jedoch dem rasanten Fortschritt in den hochkomplexen Laboratoriumstechnologien nachkommen zu können, müssen Auszubildende in diesen neuesten Techniken sehr gut qualifiziert werden. Der zur Steigerung der Attraktivität des MTA-Berufs zum 01.01.2019 eingeführten tariflichen Ausbildungsvergütung sollen künftig auch eine angemessene neue Berufsbezeichnung und bessere Karriereperspektiven folgen.

Mehrbedarf an MTA im Krankenhaus steigt ständig

Wie der DVTA auf seiner Homepage angibt, wird laut Deutscher Krankenhausgesellschaft der Mehrbedarf an MTA im Krankenhaus bis circa 2030 um rund 4000 Vollzeitkräfte steigen. Der Ersatzbedarf für altersbedingt ausscheidende MTA liege bis dahin bei 7600. Hinzu käme der Bedarf an außerklinischem Personal.

Ein Vergleich der Zahlen: Mehr als 400 000 Medizinische Fachangestellte (MFA) sowie mehr als 200 000 Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) gibt es derzeit laut Verband medizinischer Fachberufe e.V. in Deutschland. Dem stehen nur circa 100 000 MTA entgegen. Zu wenige, um den steigenden Bedarf zu decken.

MTA-Berufe unterscheiden sich laut DVTA-Stellungnahme deutlich von der beruflichen Tätigkeit der MFA, da MTA beispielsweise „selbstständig nach Anweisung des Arztes“ arbeiten, während MFA nur „unter Aufsicht des Arztes“ agieren. Dem anspruchsvolleren Ausbildungs- und Berufsbild der MTA muss bereits die Ausbildung gerecht werden und so auch ausreichend geeignete Bewerber anziehen. Denn immer noch sind die vier MTA-Berufssparten (MTLA, MTRA, MTA-F, VMTA) unter Schulabgängern nicht ausreichend bekannt.

Arbeitsamt und Schulen sollten besser über das Berufsbild informieren

Dass der MTRA-Beruf derzeit bei Berufsinteressenten ein Nischendasein führt, bestätigt Claus Becker, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Medizinisch-Technischer Berufe in der Deutschen Röntgengesellschaft e. V. (VMTB) und zugleich Leitender Medizinisch-technischer Radiologieassistent am Universitätsklinikum Regensburg. Auch in seinem Bereich fehle es schlicht an Bekanntheitsgrad.

Er beklagt hier insbesondere das fehlende Interesse seitens der Berufsberatungen in den Arbeitsämtern, diesen Beruf aktiv an vorderster Stelle anzubieten. Aber auch mangelndes Interesse bei Realschulen und Gymnasien, um z. B. seine Arbeitsstelle am Uniklinikum Regensburg über „Wandertage“ kennenzulernen oder Vortragseinladungen für den Berufskundeunterricht auszusprechen, sieht er als Grund.

High-End-Technologie und Patientenwohl gehen Hand in Hand

Hier wünscht er sich mehr Unterstützung für diesen „besten Job der Welt“. Im Unterschied, beispielsweise zu Pflegekräften, sieht er beim MTRA-Beruf den abwechslungsreichen Umgang mit Patienten und das anspruchsvolle Beherrschen von High-End-Technologie als großes Plus: „Bei uns muss man nicht nur am Knöpfchen drücken“, so Becker weiter, „sondern in den meisten Fällen selbstständig Großgeräte im Wert von mehreren Millionen Euro bedienen können.“ Zur finanziellen und technischen Verantwortung käme diejenige für das Wohl der Patienten dazu.

MTRA dringlich als Mangelberuf einstufen

Eine große Problematik ist seiner Auffassung nach auch die fehlende Anerkennung der MTRA als „Mangelberuf“ in Deutschland, obwohl dies ein Faktum sei. Daher sei es derzeit sehr mühselig, Bewerber mit ausländischen Abschlüssen durch Zeugnisanerkennung dem deutschen Arbeitsmarkt zuzuführen. Da Deutschland in naher Zukunft auch in den MTRA-Berufen auf eine Rentenrezession zu laufe, sei die Einstufung als Mangelberuf aber dringlich, um auch qualifizierte ausländische Bewerber zügig anerkennen und anstellen zu können.

Wegen Corona entfallen Präsenz-Aktionstage im November

Bedauerlicherweise dürfte es 2020 an vielen MTRA-Ausbildungsschulen die traditionell im November stattfindenden „Aktionstage“ aufgrund der Corona-Pandemie nicht geben. Bisher stellten VMTB und DVTA den Ausbildungsschulen jährlich einen sogenannten „Werkzeugkasten“ für deren Bewerbung eines Tags der offenen Tür zur Verfügung. Stattdessen müssen die Schulen nun wohl auf ihre Social-Media-Kanäle zurückgreifen, um ihre Ausbildungsplätze 2021 unter die jungen Leute zu bringen.

Auch Wolfgang Moldan, Stellvertretender Schulleiter der Berufsfachschule für medizinisch-technische Radiologieassistenten am Klinikum Nürnberg, bedauert, dass die Informationsveranstaltungen „Tag der offenen Tür“ und „Tage der Ausbildung“ dieses Jahr coronabedingt ausfallen müssen: „Wir stützen uns also momentan bezüglich Bewerberakquisition weitgehend auf unsere Homepage und Öffentlichkeitsarbeit über „Social Media“. Doch er merkt an: „Deutlich mehr Bewerbungen gehen auch seit der tariflichen Ausbildungsvergütung für unsere MTRA-Azubis ein.“

Breites Netzwerk hilft dabei, Ausbildungsklassen zu füllen

Diese positive Entwicklung seit 2019 sieht auch Gabriele Ertl, Schulleiterin des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe Erlangen am Universitätsklinikum Erlangen, verantwortlich für die MTLA- und MTRA-Ausbildung. Ihre Schulklassen, MTRA wie MTLA, sind, wie sie sagt, „immer voll“. Dennoch bedauert sie die wegen der Corona-Pandemie noch fragliche Durchführung des „Tags der offenen Tür“ im Februar. Die Anmeldungen für das nächste Ausbildungsjahr ab August 2021 laufen bereits.

Generell verschickt das BSZG Erlangen Informationsflyer und Handzettel an umliegende Schulen, arbeitet mit den Studienberatungsstellen zusammen (vgl. Studienabbrecher naturwissenschaftlicher Studiengänge wie z. B. Biologie, Medizin), geht auf Berufsmessen in der Umgebung und hält Vorträge in Schulen. „Auch andere Kliniken, die selbst keine Berufsfachschulen für MTRA anbieten, fragen bei uns an, ob sie ihre Schüler der Radiologie bei uns ausbilden lassen können, was wir je nach Verfügbarkeit gerne tun“, so Ertl.

Demographischer Wandel macht nicht vor Schulen halt

Die Schulleiterin beobachtet allerdings, dass sich die Schülerklientel aufgrund des demographischen Wandels langsam ändert. Waren es bisher überwiegend anspruchsvolle lernstarke Schüler, kämen in letzter Zeit auch zunehmend Auszubildende mit Lernschwierigkeiten.

Generell ist man in Erlangen auch in gutem Kontakt mit der Arbeitsagentur. Und genau diese persönlichen Kontakte hält Ertl für wichtig: Ein breites Netzwerk und ein guter Draht zu allen relevanten Interessentengruppen helfe auch in Coronazeiten, den Ausbildungsberuf MTRA und MTLA attraktiv zu halten.

Karin Rönspies


Quellen:

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