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Bakterien im Blut

Die Sepsis tritt auf, wenn eine Infektion im Körper außer Kontrolle gerät und sich im gesamten Organismus ausbreitet. © Dr_Microbe / iStock / Getty Images Plus

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Post-Sepsis-Syndrom: Lebensgefährliche Infektion mit potenziellen Langzeitfolgen

Eine Sepsis, umgangssprachlich auch als Blutvergiftung bezeichnet, ist eine lebensbedrohliche Komplikation durch eine Infektion. Doch auch wenn die Patienten diese überstehen, kämpft die Mehrheit noch Jahre später mit den Folgen.

Wenn es einem Erreger einer akuten Infektion gelingt, die lokalen Abwehrmechanismen des Immunsystems zu überwinden, kann er sich über die Blutbahn im ganzen Organismus ausbreiten. Eine Entzündung im ganzen Körper ist die Reaktion des Immunsystems darauf. Der Körper beginnt, gegen die Entzündung anzukämpfen und greift dabei seine eigenen Organe an. Eine lebensbedrohliche Sepsis ist entstanden, die über ein Multiorganversagen tödlich enden kann.

Führende infektionsbedingte Todesursache

Laut der jüngsten Erhebung aus Deutschland, welche auf entsprechenden DRG (Diagnosis Related Groups)-Codierungen (den sogenannten Fallpauschalen) basiert, wurden in den Kliniken in einem Jahr insgesamt 240470 Fälle von Sepsis, schwerer Septikämie, das heißt die Gesamtinfektion des menschlichen Organismus, oder septischem Schock erfasst. Rund 36 600 Fälle, also 61 Prozent, davon waren Todesfälle.

Fälle, welche als „Septischer Schock“ codiert waren, verliefen zu fast 60 Prozent akut tödlich. Auch zwölf Monate später stieg die Sterberate nochmals um zehn Prozent an. Mehr als 70 Prozent der Überlebenden klagt über schwere Beeinträchtigung durch das Post-Sepsis-Syndrom. Je früher daher eine Sepsis erkannt wird, um so günstiger kann der Verlauf für den Betroffenen sein. Doch leider ist eine Sepsis nicht so leicht zu erkennen.

Symptome einer Sepsis

Die Symptome für eine Sepsis können sehr unterschiedlich sein. Das häufigste Symptom ist Fieber. Hinzu kommt ein bisher nie gekanntes Krankheitsgefühl, der Mensch hat extreme Schmerzen, die Haut verfärbt sich bläulich-fleckig und ist feucht-kalt, der Herzschlag ist beschleunigt. Hinzu können Verwirrtheit, Benommenheit und Kurzatmigkeit sowie niedriger Blutdruck kommen.

Bei all diesen Symptomen ist eine ärztliche Abklärung notwendig. Da eine Sepsis sehr vielfältig sein kann, beginnt die Diagnose über Blutkulturen, mikrobiologische Abstriche vom Infektionsort, aber auch Röntgen- oder CT-Aufnahmen. Es ist wichtig, Infektionsherd und Erreger zu identifizieren. Durch die Lebensbedrohlichkeit erhalten die Patienten direkt Antibiotika sowie Flüssigkeit über einen Venenkatheder.

Bei der ersten Antibiotikagabe liegt das Ergebnis der mikrobiologischen Untersuchung noch nicht vor, sodass eine kalkulierte Therapie stattfindet, mit der alle vermuteten Krankheitserreger abgedeckt sind. Ist dann der genaue Erreger bekannt, beginnt eine gezielte Antibiotika-Therapie. Weiterhin werden die einzelnen Organfunktionen stabilisiert. Dies geschieht häufig in einem künstlichen Koma. Die ganze Behandlung kann bis zu mehreren Wochen dauern. Anschließend an den Krankenhausaufenthalt kann noch eine Reha-Behandlung erfolgen.

Spätfolgen einer Sepsis

Viele ehemalige Patienten, die an einer Sepsis erkrankt waren, berichten auch Jahre später noch über Beeinträchtigungen. Dazu gehören häufig Muskel- und Nervenschäden, Schmerzen, geringe Belastbarkeit, kognitive Beeinträchtigungen oder auch psychische Störungen. Dies lässt sich damit erklären, dass während einer Sepsis die Entzündungen nicht nur auf einzelne Körperteile beschränkt sind, sondern sich die entzündlichen Prozesse im gesamten Organismus ausbreiten und alle Organe befallen.

Rund 55 Prozent entwickeln bereits im ersten Jahr eine erhöhte psychische Belastung. Dies betrifft nicht nur die Patienten selbst, welche Angststörungen oder posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) entwickeln können. Solche Störungen können ebenfalls bei nahen Angehörigen auftreten, die mit der lebensbedrohlichen Situation eines geliebten Menschen konfrontiert waren.

Um die Patienten bestmöglich zu begleiten und schwere Post-Sepsis-Symptome zu lindern, sind verschiedene Anschlussheilverfahren sehr wichtig wie Ergo- und Physiotherapie, fachneurologische und psychologische Unterstützung sowie eine gute pharmakologische Unterstützung, um die verschiedenen Ausprägungen wie Schmerzen oder Schlafstörungen zu behandeln.

Heike Lachnit


Quellen:

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