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Symbolbild Labor und Radioaktivität.

Wie es der Name bereits sagt, handelt es sich bei den Radioisotopen um radioaktive Arzneimittel. © Oksana Sazhnieva / iStock / Getty Images Plus

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Lieferengpässe: Eingeschränkte Versorgung mit Radioisotopen

Die Lieferketten für Radioisotope sind sehr brisant, denn es ist aufgrund der geringen Halbwertszeit der Isotope eine Lieferkette gegen die Zeit. Kommt es dann zu Lieferengpässen, können wichtige Untersuchungen in der Nuklearmedizin nicht durchgeführt werden.

Für die Diagnostik oder Therapie gibt es jede Woche rund 60 000 Untersuchungen mit Radiopharmaka in Deutschland, weltweit sind es jedes Jahr über rund 30 Millionen Untersuchungen. Hierbei handelt es sich um den sehr sensiblen medizinischen Bereich der Nuklearmedizin. Der schnelle Verfall der Radioisotope und damit der Verlust der Aktivität, die wenigen Produktionsstandorte sowie die sensible Lieferkette können immer wieder zu Lieferengpässen führen, wodurch Diagnose- und Therapietermine verschoben werden müssen.

Radioisotope mit kurzer Halbwertszeit

Wie es der Name bereits sagt, handelt es sich bei den Radioisotopen um radioaktive Arzneimittel. Das Radioisotop besteht aus einem radioaktiven Element mit kurzer Halbwertzeit, also die Zeit, in welcher 50 Prozent der Substanz abgebaut und somit die Aktivität um die Hälfte verringert ist.

Der zweite Baustein im Radioisotop bindet gezielt an bestimmte Strukturen im Organismus. Dieser zweite Baustein reguliert, dass das radioaktive Element genau an sein Ziel gelangt. Radioisotope werden eingesetzt, um Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar zu machen. Sie lassen keine morphologischen Strukturen in den Organen erkennen, sondern funktionelle Vorgänge, die mit speziellen Kameras sichtbar gemacht werden.

Sie kommen zum Beispiel in der Schilddrüsen- oder in der Krebsdiagnostik zum Einsatz. Auch zur Behandlung von Tumoren werden Radiopharmaka verwendet. Die Herausforderung mit Radioisotopen ist ihr Handling. Durch die geringe Halbwertzeit der Isotope ist die gesamte Lieferkette von Schnelligkeit geprägt.

Schnelle Lieferung notwendig

Viele Zeit bleibt nicht, um Radioisotope vom Produktionsort in die diagnostischen Praxen zu transportieren. Sie verlieren mit jeder Stunde an Aktivität und irgendwann sind sie für die Diagnostik nicht mehr einsetzbar. In Europa beträgt das Zeitfenster der fertig produzierten Isotope 24 bis 48 Stunden, für den Rest der Welt maximal 72 Stunden.

Da der Zerfall eigenständig unter Freiwerden von Energie geschieht und nicht aufgehalten werden kann, können die Radioisotope für den medizinischen Gebrauch nicht vorproduziert und anschließend gelagert werden. Daher braucht es eine genau aufeinander abgestimmte Lieferkette und es darf nicht zu Unterbrechungen kommen.

Wenige Produktionsorte

In Deutschland kommen Technetium-99m in der Diagnostik und Jod-131 in der Therapie zum Einsatz. Weltweit existieren nur sechs Produktionsstandorte. Es handelt sich um spezielle Kernreaktoren, in denen diese Radionuklide produziert werden.

Drei dieser Standorte haben eine Lizenz für den europäischen Markt. Hier bedarf es genauer Absprachen bei den Wartungen oder wenn es Probleme gibt, um den Bedarf für den medizinischen Markt abzudecken. Da diese Kernreaktoren alle schon sehr alt sind, ist es jedoch nicht immer möglich, Arbeiten aufeinander abzustimmen.

Wegen ungeplanter technischer Ausfälle kann es schnell zu Engpässen kommen, sodass die Termine von Patienten verschoben werden. Ein ausfallender Reaktor ist nur eine Möglichkeit, die Lieferkette zu beeinflussen. Während der Corona-Pandemie war es beispielsweise der Flugverkehr, der durch die Einschränkungen für Verzögerungen gesorgt hat. Aber auch Staus oder anderweitige Verkehrsbehinderungen können Verzögerungen in der Lieferkette verursachen.

Heike Lachnit


Quellen:

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