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Impffläschchen für RSV

Auch in dieser Erkältungssaison spielt RSV wieder eine große Rolle. © Manjurul / iStock / Getty Images Plus

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Atemwegsinfektionen: Neue Wege zur Prävention von RSV-Erkrankungen

Der Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) führt zu akuten Erkrankungen der Atemwege und zählt zu den bedeutendsten Erregern bei Säuglingen und Kleinkindern. Nachrichten von überfüllten Kinderkliniken im letzten Winter sind uns allen in Erinnerung. Ein Jahr später gibt es neue Wege zur Prävention.

Es ist wieder Erkältungszeit und der Körper sieht sich mit zahlreichen Viren konfrontiert – Coronaviren, Grippeviren oder auch den Respiratorischen Synzytial-Viren (RSV). Vor allem der RSV-Erreger war im letzten Jahr in aller Munde. Bis letztes Jahr gab es nur für Kinder mit einem erhöhten Risiko wie einer Herzerkrankung eine passive Immunisierung. Dies hat sich nun geändert und es stehen zwei neue aktive und ein passiver Impfstoff für Kinder und ältere Personen zur Verfügung. Zudem lassen sich über ein Modell Vorhersagen zu einer RSV-Erkrankung treffen.

RSV-Impfung

Der RSV-Erreger kann alle Menschen treffen. Nach aktuellen Schätzungen kommen RSV-Atemwegserkrankungen weltweit mit einer Inzidenz von 48,5 Fällen und 5,6 schweren Fällen pro 1000 Kindern im ersten Lebensjahr vor. Gerade bei Kleinkindern unter zwei Jahren sowie bei älteren Menschen kann er zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

Das Risiko steigt, wenn weitere Begleiterkrankungen des Herzens oder der Lunge hinzukommen. Die Ansteckungen nehmen von November bis April zu, die Hochphase ist im Januar und Februar. Die bisherige Behandlung war eher symptomatisch mit Freihalten der Atemwege und ausreichend Flüssigkeitszufuhr. Für pädiatrische Risikopatienten stand eine passive Immunisierung zur Verfügung.

Im letzten Jahr hat sich viel getan, sodass aktuell für Erwachsene und Kinder drei Präparate zur Prävention schwerer RSV-Infektionen in Deutschland zur Verfügung stehen. Die offizielle Empfehlung der STIKO (ständige Impfkommission) steht derzeit allerdings noch aus.

Prädikatoren für RSV

Neben der Forschung an Impfstoffen beschäftigte sich eine Forschungsgruppe an der Universität Helsinki in Finnland mit den Risikofaktoren für einen schweren RSV-Verlauf. Bis zu dieser Studie gab es keine aussagekräftige Datenlage, um für Säuglinge eine präzise Voraussage zu treffen.

Die Wissenschaftler um die Forscherin Pekka Varianten wollten ein klinisches Vorhersagemodell entwickeln, um eine zielgerichtete Behandlung sowie eine RSV-Immunprophylaxe für Säuglinge zu ermöglichen. Dafür wurden die Daten von über 2,7 Millionen Säuglingen – finnische Säuglinge zwischen 1997 und 2020 sowie schwedische Säuglinge zwischen 2006 und 2020 geboren – sowie ihrer Eltern und Geschwister untersucht.

Das Team betrachtete 1510 Prädikatoren, aus denen sie 16 mögliche Prädikatoren für schwere Krankheitsverläufe identifizierten. Neben dem bekannten Prädikator wie beispielsweise ein angeborener Herzfehler fanden sie heraus, dass eine Fehlbildung der Speiseröhre ebenfalls ein Risikofaktor darstellt.

Weiterentwicklung der Immunisierungsmöglichkeiten

Ein überraschendes Ergebnis dieser Studie war, dass die psychischen Gesundheitsprobleme der Eltern sowie ihr sozioökonomischer Status mit einem erhöhten Risiko für RSV-Hospitalisierungen bei Säuglingen korrelierten. Das Team zeigte auf, dass psychische Erkrankungen, früherer Drogenkonsum oder das Familieneinkommen mit dem Risiko einer RSV-Hospitalisierung verbunden waren.

Ähnliche Erkenntnisse stammten aus einer kanadischen Bevölkerungsstudie aus dem Jahr 2020, in welcher hauptsächlich der Zusammenhang zwischen einer Asthma-Exazerbation während der Schwangerschaft und die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter und Kind untersucht wurde.

Das von der Forschungsgruppe entwickelte Modell kann für ein einzelnes Kind die Wahrscheinlichkeit eines RSV-Krankenhausaufenthaltes vorhersagen. Daher sei eine Anwendung auf der Neugeborenstation möglich, um bereits für Säuglinge ein Risiko vorherzusagen.

Auch wäre es eine Möglichkeit, im Rahmen der Immunprophylaxe abzuwägen, welches Risiko für ein Kind besteht und dieses dementsprechend zu impfen oder auch nicht. Mit der Weiterentwicklung der Immunisierungsmöglichkeiten sowie auch mit der Entwicklung des Vorhersagemodells ist es möglich, eine zielgerichtete Prävention und auch Behandlung dieser Atemwegserkrankung zu gewährleisten.

Heike Lachnit


Quellen:

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