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Familie aus Papier auf ausgestreckter Hand

Nicht immer ist es leicht Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. © Lubov / iStock / Getty Images Plus

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Zwischen Kind und Kittel: Familienfreundlichkeit im Beruf einer MT-Fachkraft

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für medizinische Technologinnen und Technologen (MT), zuvor MTA, in allen Berufsgruppen wichtig. Ob Labor, Radiologie, Funktionsdiagnostik oder Veterinärmedizin: Der Beruf wird traditionell überwiegend von Frauen ausgeübt. Jedoch steigt langsam der Anteil der Männer in diesem medizinischen Fachberuf, speziell in der Röntgendiagnostik. Der Spagat zwischen Beruf und Familie kann daher für Frauen und Männer gleichermaßen eine Herausforderung sein.

Zugleich macht der Fachkräftemangel auch bei den Berufen in der medizinischen Technologie nicht halt. Es gibt einen verschärften Personalmangel. Das stellte das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) bereits im Jahr 2019 sowohl in Krankenhäusern als auch in Großlaboren und radiologischen Netzwerken fest.1 Der Personalbedarf wird immer größer, auch weil nun die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen.

Die MT-Ausbildungsreform ist sicher ein großer Schritt, die Ausbildung und den Beruf attraktiver zu gestalten, wird aber den Fachkräftemangel nicht allein lösen können, befürchten vor allem niedergelassene Labore, aber auch bundesweit manche MT-Schule und Gesundheitseinrichtung.

Familienfreundlichkeit ist ein Wettbewerbsfaktor

Gewinnen und langfristig an die Arbeitgeberin beziehungsweise an den Arbeitgeber binden, das gilt nicht nur für medizinische Fachberufe. Familienfreundlichkeit ist mittlerweile ein harter Standort- und Wettbewerbsfaktor für Arbeit gebende Unternehmen in Deutschland, auch in der Medizin. Untersuchungen zeigen: Je besser Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingt, desto mehr Fachkräftepotenzial steht dem medizinischen Arbeitsmarkt zur Verfügung.

Familienfreundliche Lösungen im MT-Beruf

Portrait von Daniela Winkler, MTL im Blutdepot im Labor Dr. Wisplinghoff

Daniela Winkler, MTL © C. Bartel

Eine sehr gute Lösung hat Daniela Winkler, MTL im Blutdepot im Labor Dr. Wisplinghoff in Köln gefunden. Sie ist rundum glücklich. Die 44-jährige Mutter eines sechsjährigen Sohns hat eine Teilzeitstelle mit geregelten Arbeitszeiten. Vor dem Arbeitsbeginn bringt sie ihren Sohn zum Bus, der ihn zur Grundschule fährt.

Wieder zu Hause hat sie noch kurz Zeit für sich, bevor sie ins Blutlabor aufbricht. Dort arbeitet die erfahrene MTL täglich von 9 bis 14 Uhr. Danach ist Zeit, Einkäufe oder etwas anderes zu erledigen, ehe sie gegen 15 Uhr ihren Sohn aus dem Offenen Ganztag (OGS) abholt. Der Nachmittag ist für Mutter und Kind reserviert.

„Dann unternehmen wir zusammen etwas Schönes oder ich begleite meinen Sohn zum Sport. Denn die Hausaufgaben sind dann schon erledigt“, berichtet Daniela Winkler.

„Ich bin glücklich“: Alles gut zwischen Familie und Job geregelt

Bereits seit 2005 arbeitet Daniela Winkler im Labor Dr. Wisplinghoff. Zuvor war sie im Labor des Krankenhauses Köln-Weyertal beschäftigt. Weil dort vor rund 18 Jahren anstand, die Laborarbeit als 24-Stunden-Dienst outzusourcen, entschied sie sich für ihren jetzigen Arbeitgeber in Vollzeit.

„Als unser Sohn dann zur Welt kam, habe ich eine zweijährige Elternzeit eingelegt und konnte danach wieder in Teilzeit zurück“, erklärt Daniela Winkler. „Über diese Lösung bin ich sehr glücklich“. Auch ihr Lebensgefährte arbeitet im Team Wisplinghoff, allerdings in der IT-Abteilung. Das erleichtere einiges, beispielsweise die Absprache, wer zu Hause bleibt, sollte der Sohn mal krank sein. „Im Notfall springen aber auch die Großeltern ein.“

Die MTL, die ihre schulische Ausbildung an der MT-Schule am Rheinischen Bildungszentrum Köln (RBZ) absolvierte, ist heute in der Transfusionsmedizin und Immunhämatologie tätig. Ihr Team versorgt Krankenhäuser und Onkologie-Einrichtungen mit Blutkonserven. Quintessenz von Daniela Winkler: „Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen und habe Glück mit meinem Arbeitgeber, der mir ein familienfreundliches Arbeiten im Labor ermöglicht.“

Familienfreundliche Personallösungen sind oft möglich, aber nicht immer

Portraitbild Dr. Dennis Hoffmann

Dr. Dennis Hoffmann © C. Bartel

„Bis jetzt ist es uns fast immer gelungen, eine familien- und zugleich betriebsfreundliche Lösung zu finden, die beide Seiten zufriedenstellt“, erklärt Dr. rer.nat. Dennis Hoffmann, technischer Laborleiter bei Dr. Wisplinghoff.

Aber Pauschallösungen gebe es leider nicht, sondern es sei immer vom individuellen Fall abhängig. Meist sei es einfacher, Wunsch-Arbeitszeitmodelle für Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter im eher administrativen Bereich zu finden als für Laborteams, die zum Beispiel in einer Zwölf-Personen-Gruppe mit 24 Stunden Bereitschaft an 365 Tagen in einer Außenstelle tätig sind.

Alle Wünsche unter einen Hut zu bringen, sei manchmal eine Herausforderung. „Aber wir sind offen und flexibel“, bekräftigt Dr. Hoffmann aus dem Labor Wisplinghoff.

Erfolgsfaktor: Vereinbarkeit von Familie & Beruf

Familienfreundliche Arbeitsbedingungen tragen dazu bei, dass Eltern Familie und Beruf miteinander besser vereinbaren können. Neun von zehn Arbeitnehmer:innen mit Kindern sagen, dass ihnen familienfreundliche Angebote mindestens so wichtig sind wie die Höhe des Gehalts. Das schreibt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf seinem Familienportal.

In den vergangenen Jahren sind viele Fortschritte erzielt worden. Wie wichtig Medizinische Technologen (m/w/d) für das ganze Gesundheitswesen sind, scheint nicht immer allen bewusst zu sein. Denn ohne sie würde unser Gesundheitssystem nicht funktionieren, weil ein großer Teil der ärztlichen Diagnosen auf Laboruntersuchungen, Funktionstests oder Röntgenbildern beruht. Hier sind immer MT-Fachkräfte im Einsatz.

Beatrix Polgar-Stüwe


Quellen:

1 https://www.dki.de/forschungsprojekt/fachkraeftemangel-und-fachkraeftebedarf-in-mta-berufen
Link zur Labor-Website: wisplinghoff.de

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