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Frau sitzt vor Laptop im Labor.

Während der Corona-Pandemie haben sich verschiedene Start-ups neu- oder weiterentwickelt. © gorodenkoff / iStock / Getty Images Plus

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Start-Ups: Kreative Ideen bereichern die Diagnostik und Bildgebung – Teil 1

Junge Unternehmen oder Start-ups gibt es wie Sand am Meer, auch in der Gesundheitsbranche nehmen die Gründungen seit Jahren zu. Oft ist es jedoch eine Frage der Zeit, ob die Unternehmer und Unternehmerinnen die Euphorie des Beginnens überstehen.

Das hochgradig differenzierte Gesetzes- und Finanzierungssystem im deutschen Gesundheitswesen ist nicht einfach zu durchschauen, eine optimale Nutzung noch schwieriger. Nur eine gute Idee ohne Geschäftsmodell beziehungsweise ein zu geringes Prozessverständnis führen nicht automatisch zum Ziel. So versuchen einige Start-ups, eine Zulassung in den USA zu erreichen.

Das Label „FDA-geprüft“ (Food and Drug Administration) ist eine Voraussetzung, um in den USA Medizinprodukte zu betreiben und wird teilweise von anderen Ländern anerkannt. Deshalb sind in dieser Aufstellung nicht nur deutsche Gründungen, sondern auch Innovationen aus anderen Ländern vertreten.

Einige der Lösungen, die bereits einige Zeit überdauert oder mehr als eine Ursprungsfinanzierung erhalten haben, sind hier gelistet. Sie lassen sich grob einteilen in die Bereiche Technologien, Plattformen, Genomik, Tests, Zertifizierung und Radiologie. Immer häufiger werden KI-basierte Methoden, allen voran das maschinelle Lernen, eingesetzt.

Labor / Diagnostik

DasLab bietet eine Interoperabilitätsplattform auf Basis des Datenstandards FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources) an. Über die Plattform kommen Labore, Gesundheitsdienstleister und Patienten miteinander in Kontakt. So sieht sich das Start-up als digitale Infrastruktur für die medizinische Diagnostik, mit Anbindung an verschiedenste Stellen zu Hause oder an professionelle Stellen. Klinische Laboratorien erhalten über die Plattform Zugang zu weiteren Märkten und eine höhere Auslastung.

Die Lifespin GmbH hat sich auf medizinische Labordiagnostik spezialisiert. In den Niederlassungen in Regensburg und Boston (Massachusetts/USA) vertreibt das Start-up eine in-vitro-Lösung für Labore. Diese analysiert mit einer proprietären KI-gesteuerten Technologie die Schwankungen im Stoffwechsel von Patienten, die tiefere Einblicke in die Gesundheit und das Wohlbefinden zulassen. Eine firmeneigene Biobank mit mehr als 200 000 Proben erfasst einzelne Stoffwechselvorgänge quantitativ und enthält zudem digitalisierte Stoffwechselprofile. Diese Profile ermöglichen ein systematisches Mapping über verschiedene Gesundheitszustände hinweg.

Das Unternehmen Abionic aus Lausanne möchte mit einer diagnostischen Schnelltest-Plattform die In-vitro-Diagnostik verändern. Basierend auf Nanotechnologie werden Patientenproben (Blut, Speichel, Urin, etc.) in fünf Minuten auf mehr als ein Dutzend Biomarker untersucht. Dabei kommt das handliche Gerät direkt am Ort der Versorgung – in der Apotheke, am Unfallort, im Rettungswagen oder im Krankenhaus – zum Einsatz. So können klinische Entscheidungen schneller getroffen werden. Ein wichtiges Beispiel ist die Erkennung einer Blutvergiftung (Sepsis), bei der jede Stunde zählt. Die Bauchspeicheldrüse produziert als Reaktion auf eine Sepsis einen Biomarker namens Pankreas-Stein-Protein, den der Schnelltest detektieren kann.

Wie wichtig die Diagnose der Sepsis ist, sieht man auch daran, dass es hier weitere Innovationen gibt. So hat das südkoreanische Unternehmen Spass kürzlich eine FDA-Zulassung für seine KI-basierte Software, die Blutvergiftungen erkennen soll, erhalten. Zudem haben die Forschenden des – für deutsche Leser freundlich klingenden – Unternehmens ein KI-Modell entwickelt, das Nebenwirkungen von Immuntherapien bei Krebspatienten vorhersagt.

Ein weiteres, in Lausanne ansässiges Unternehmen, Alithea Genomics, hat eine Technologie entwickelt, mit der hunderte von Ribonukleinsäure-Proben in nur einem Reagenzglas verarbeitet werden können. Insgesamt werden so deutlich weniger Reagenzmittel verbraucht und der manuelle Arbeitsaufwand stark verringert. Da die RNA-Sequenzierung im Bereich der Genommedizin und der therapeutischen Arzneimittelprüfung vermehrt an Bedeutung gewinnt, allerdings bisher nicht wirtschaftlich erfolgt, setzt das Modell mit dem Namen Microfluidic Pooling Lid an genau dieser Stelle mit einer sinnvollen Einsparung an.

CRISPR/Cas-Technologien

Auch in der Genomik ist das Unternehmen Akribion Genomics aus dem südhessischen Zwingenberg angesiedelt. Es hält CRISPR/Cas-Technologien mit einer unabhängiger IP-Basis beispielsweise für die Genomeditierung bereit. Eine neuartige Plattform ermöglicht die gezielte Zelldepletion (= die Entfernung bestimmter Zelltypen aus einer Mischung von Zellen) basierend auf RNA-Biomarkern und eröffnet somit neuartige Behandlungsmöglichkeiten unter anderem in der Krebstherapie. Die neuen Technologien werden eingesetzt im Bereich Diagnostik und Therapeutika, doch ebenso in der industriellen Biotechszene oder in der Landwirtschaft.

Molgenium aus Düsseldorf hält eine Plattform für die Gen- und Zelltherapie sowie Tissue Engineering vor. Diese unterstützt die Hersteller derartiger Therapien, indem sie Dienstleistungen für die Zulassung, Sicherheitsprüfung und Audits anbietet.

Ebenfalls Zertifizierungen und Audits für Labore, MVZ, Dialyseeinrichtungen, Arztpraxen und weitere medizinische Dienstleister ermöglicht Zertric. Das Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden hat ein variables Zertifizierungssystem, das bestehende QM- oder ISO-Systeme ergänzt und agiert auch in Deutschland.

Point-of-Care-Test für die Präeklampsie-Diagnostik

Das Baseler Start-up Momm Diagnostics hat einen innovativen Point-of-Care-Test für die Präeklampsie-Diagnostik entwickelt. Ähnlich wie ein Schwangerschaftstest kann dieser minimalinvasiv direkt in Arztpraxen durchgeführt werden. Seine Empfindlichkeit ist stärker als die bisher gebräuchlichen Lateral-Flow-Immunoassays. So kann die Erkrankung durch die Analyse zweier spezifischer Biomarker im mütterlichen Blut bereits in einem sehr frühen Stadium erkannt werden.

Das Start-up CASC bietet ein Screening für gesundheitsbewusste Menschen zur Eigenanwendung an. Über verschiedene Testkits und eine zugehörige App erhalten die Nutzenden Aussagen über diverse Stoffwechselvorgänge im Körper, auf Wunsch über mehrere Wochen hinweg. Daneben können Entzündungswerte, Eisen oder Vitamin D bestimmt – und vor allem erläutert – werden. Aufgrund dieser Ergebnisse werden Empfehlungen unter anderem für die Ernährung ausgegeben, die das Wohlbefinden steigern sollen.

Midge Medical aus Berlin entwickelt mobile, miniaturisierte Tests für schnellere Diagnosen. Das Verfahren beinhaltet eine vereinfachte Blutentnahme und -testung, einschließlich Digitalisierung und kann beim Arzt, in der Apotheke oder zu Hause durchgeführt werden. Auch Biomarker werden erkannt. Das nur zwei Zentimeter große Geräte wird per Smartphone ausgelesen, die Werte werden digital an Fachpersonal übermittelt. Zu Anfang handelte es sich nur um Bluttests, später wurde das Angebot auf molekulare Tests erweitert.

Das Dresdner Start-up Anvajo vertreibt Point-of-care-Geräte – mit Namen fluidlabs – um Flüssigkeiten schnell und effektiv in Laborqualität zu analysieren. Ausgehend von vier verschiedenen Technologien mit hohem Zeitaufwand ist eine digitale holografische Mikroskopie (DHM) in guter Qualität entstanden. Dadurch sollen Erkrankungen bei Menschen und Tieren schneller erkannt und Therapien effizienter entwickelt werden – inklusive Verlaufskontrolle.

Die Karlsruher GmbH Phabioc entwickelt Multiwellplatten für Labore mit pharmazeutischer und biotechnologischer Forschung. Die Platten verbessern die Konzentrationsbestimmung der Proben, beschleunigen Messprozesse und verringern den Materialverbrauch. Für gleichbleibend reproduzierbare Ergebnisse wurde eine spezielle Membran entwickelt, die den passiven Stofftransport durch verschiedene Barrieren im Körper simuliert.

Während der Corona-Pandemie haben sich verschiedene Start-ups neu- oder weiterentwickelt, um vermehrte Testkapazitäten zu schaffen. Dabei entstanden unter anderem Tools für die digitale Befundübermittlung, beispielsweise ein Zusammenschluss von DoctorBox (einem Schnelltestanbieter für daheim) mit dem Labor Becker und Kollegen oder die Zusammenarbeit zwischen BS software (Softwarelösungen, die den Arbeitsalltag in Laboren, Arztpraxen und Kliniken erleichtern) und der Telekom.

Auch Mobiolab, ein mobiles Labor für Schulen, das wie ein Fotospektrometer funktioniert, aber lediglich aus einem 3D-gedruckten Cuvettenhalter und einem Smartphone besteht, erreichte vergleichbare Messergebnisse. Diese Initiative entstand an der deutschen Schule Lissabon in Zusammenarbeit mit den Universitäten Kaiserslautern und Stuttgart.

Von Mirjam Bauer


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