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Kombinierte Strahlen- und Chemotherapie begünstigt Prognosen

Die Patienten in der Gruppe der kombinierten Behandlung lebten im Schnitt ca. fünf Jahre länger. © yanyong / iStock / Thinkstock

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Langzeitstudie zum Gliom: Kombinierte Strahlen- und Chemotherapie begünstigt Prognosen

Durch eine Langzeitbeobachtung von fast zwölf Jahren ist es Wissenschaftlern gelungen, Aussagen über den Effekt einer direkten kombinierten Strahlen- und Chemotherapie bei einem Tumor der Gliazellen (Gliom) zu treffen. In der Studie stellte sich heraus, dass Patienten, die mit dieser Therapieform behandelt werden, oft bessere Überlebenschancen haben.

„Eine erst im Verlauf durchgeführte Chemotherapie kann den Vorteil einer direkt kombinierten Radiochemotherapie für das progressionsfreie und Gesamtüberleben nicht wieder aufholen“, sagt der Ärztliche Direktor der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg. Für die Studie, die jetzt veröffentlicht wurde, hatten Jan C. Buckner von der Mayo Clinic in Rochester und seine Kollegen die Daten von 251 Patienten ausgewertet, die an einem prinzipiell prognostisch günstigen Gliom der Stufe II gemäß Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) litten.

Ein Teil dieser Patienten war unter 40 Jahre alt und hatte eine ungünstigere Prognose, weil ihre Hirntumoren in einer Operation nicht vollständig hatten entfernt werden können. Die restlichen Studienteilnehmer dagegen hatten unabhängig vom Ausgang der Operation alleine durch ihr Alter von über 40 Jahren eine ungünstigere Prognose.

Nach dem Zufallsprinzip erhielt jeweils etwa die Hälfte der Studienteilnehmer im Anschluss an die Operation eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie. Die andere Hälfte der Patienten bekam zunächst nur eine Strahlentherapie, während man mit der Chemotherapie bis zum ersten Rückfall wartete.

Während die Patienten in der ersten Gruppe median 13,3 Jahre überlebten, waren es in der zweiten Gruppe lediglich 7,8 Jahre. Auch das progressionsfreie Überleben – also die Zeit, in der die Tumoren nicht weiterwuchsen – unterschied sich deutlich zwischen den beiden Gruppen: Für Patienten mit einer kombinierten Strahlen- und Chemotherapie betrug es 10,4 Jahre, für die alleinige Strahlentherapie 6,1 Jahre.

Erhöhte Toxizität der Kombinationsbehandlung

Zehn Jahre nach Beginn der Studie waren noch 60 Prozent jener Studienteilnehmer am Leben, die unmittelbar beide Therapieformen erhalten hatten, gegenüber nur 40 Prozent, deren Tumoren anfangs lediglich bestrahlt worden waren. Außerdem fanden die Wissenschaftler eine Mutation in dem Gen für die Isocitratdehydrogenase 1 (IDH1), die prognostisch ist, also eindeutig mit einer längeren Überlebenszeit korrelierte: Träger dieser Mutation überlebten im Mittel 13,1 Jahre, während Patienten ohne diese Mutation bereits nach durchschnittlich 5,1 Jahren verstorben waren.

„Diese Erkenntnisse sind der ungewöhnlich langen Beobachtungszeit von im Mittel fast zwölf Jahren zu verdanken“, bemerkt dazu Wolfgang Wick, der auch Sprecher des Vorstands der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Krebsgesellschaft ist. „Nur so konnte die relevante Erhöhung des Anteils der Patienten nachgewiesen werden, die überleben.“

Eine erste Auswertung nach annähernd sechs Jahren hatte nämlich noch keinen Überlebensvorteil für die Patienten unter einer Kombinationstherapie zeigen können, sondern lediglich eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens. Auch diesen Unterschied hatten die Forscher erst zwei bis vier Jahre nach Studienbeginn nachweisen können. Die Toxizität der Kombinationsbehandlung war wie erwartet größer als mit der alleinigen Strahlentherapie.

Die Patienten litten besonders häufig an Fatigue, Anorexie, Übelkeit und Erbrechen, seltener auch an Neutropenie. Weil die Studie noch vor der Jahrtausendwende begonnen wurde, fehlen allerdings Daten zu weiteren Parametern wie der Lebensqualität, der Neurokognition und den Funktionen, die heute als wichtig anerkannt sind.

„Weitere Untersuchungen müssen deshalb folgen, um den Preis für die Verlängerung des Überlebens besser abschätzen zu können“, so Wick. Außerdem, so hofft der Neurologe, könnten in zukünftigen Untersuchungen auch Subgruppen von Patienten definiert werden, die besonders vulnerabel sind und für die dann eine angepasste Behandlung sinnvoll wäre.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)

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